Abgasskandal: Staatsversagen

| 18.09.2019 | Wirtschaft

Ein kurzer Blick in den Rückspiegel: Vier kostbare Jahre wurde versäumt,  um die entstandenen Umweltschäden zu reparieren.  Die Software-Updates bringen wenig bis gar nichts zur Verringerung der Abgase und sind nach Ansicht des Oberlandesgerichts Düsseldorf obendrein auch noch illegal. So blieben  Gesundheit der Menschen und  Verbraucherschutz auf der Strecke.

Was mit weltweit 11 Millionen manipulierten Diesel-Autos des VW-Konzerns (VW, Audi, Skoda und Seat) im September 2015 begonnen hatte, weitete sich im letzten Jahr definitiv aus. Der schwarze Rabe war Audi,  die einstige VW- Vorzeigetochter Audi: Im Oktober 2018 wurde Audi zu 800 Millionen Euro Strafzahlung an den Freistaat Bayern verurteilt, ditto Porsche mit 47 Millionen Euro.

Erst ab November vorigen Jahres folgte auch in Europa der zwangsweise Rückruf von 150.000 großen 3 Liter Audis der neueren Abgasklasse Euro 6, die in den USA schon zwei Jahre früher zurückgerufen worden waren. Spätestens mit der Anklage des Ex-Audi-Chefs Rupert Stadler war einer breiteren Öffentlichkeit klar, dass Audi offensichtlich sogar nach Platzen des VW Skandals noch zwei Jahre lang  manipulierte Autos verkauft und Behörden und Käufer an der Nase herumgeführt hat.

Auch um Daimler-Mercedes zog sich die  Schlinge zu, wobei der Konzern stets energisch jedwede Manipulation bestritten hatte. Im September vor einem Jahr mussten die ersten Nutzfahrzeuge wegen illegaler Abschalteinrichtungen zurückgerufen werden (V Klasse, Vito, GLC), im Jänner, Juni und Juli  2019 folgten weitere Zwangsrückrufe.  Allein in Österreich sind bis dato 30.000 Mercedes zwangsläufig und weitere 20.000 freiwillig zurückgerufen worden. Das Besondere: Mercedes fügt sich zwar den Rückrufordnungen des deutschen Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), aber bekämpft sie gleichzeitig vor Gericht.  Auch Opel, BWM mussten Pkw wegen zu hoher Abgaswerte zurückrufen und in den USA  mussten Bosch und Fiat Chrysler nach Sammelklagen wegen manipulierten Autos 696 Mio Euro (FC) bzw. 114 Mio Euro (Bosch) für einen Vergleich hinblättern.

Wahrscheinlich haben Sie von diesen Rücken kaum etwas gehört. Kein Wunder, denn informiert wurden die Betroffenen kaum. Auf der Website des Verbraucherschutzverein (VSV) unter www.klagen-ohne-risiko at, können Sie erfahren, ob auch ihr Auto betroffen ist.  Für die Audis wird dabei die Möglichkeit geboten, sich als Privatbeteiligte anzuschließen, für Mercedes läuft eine Sammelaktion.

Die für ganz Europa zuständige deutsche Zulassungsbehörde, das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das den Dieselskandal völlig übersehen hatte, kam den mächtigen Konzernherrn aus Wolfsburg bei der Reparatur äußerst entgegen. Man schloss sich zunächst der falschen Rechtsmeinung des Konzerns an, wonach gesetzliche Grenzwerte nur im Labor und nicht auf der Straße einzuhalten seien. Bis das deutsche Oberlandesgericht Düsseldorf  feststellte, dass sie natürlich nicht nur in Theorie, sondern auch in Realität einzuhalten sind! Vergessen wir nicht, dass diese gerichtliche Klärung nur auf konsequentes Betreiben einer NGO zustande kam, der deutschen Umwelthilfe (DUH). Deren Technikexperte Dr. Axel Friedrichs  war es auch, der mit Hilfe umfangreicher Straßentests als erster bewies, dass diese Software-Updates bei der Senkung der Abgase wenig bis gar nichts bringen.

Offiziell bestätigt wurden seine Ergebnisse soeben durch das deutsche Umweltbundesamt. Demnach stoßen manipulierte Diesel-Pkw der Abgasklasse Euro 5 im Schnitt 950 Milligramm/Kilometer Abgas (Stickoxid, NOX) aus statt der gesetzlich erlaubten 180 mg/km! Mit dem Update fallen sie um 25% auf 780 mg/km, sind also noch immer weit über dem gesetzlich erlaubten Grenzwert! Die einzige Möglichkeit, diese Autos wesentlich sauberer zu machen und ihren Wertverfall zu stoppen sind Hardware-Nachrüstungen. Es ist nicht einzusehen, warum es solche nicht auch in Österreich geben soll – auf Kosten der Hersteller, wie schon in Deutschland.  Der verflossene Verkehrsminister Hofer sie jedoch als wenig sinnvoll abgelehnt. Konsequenz: Allein durch Euro 5 Diesel-Pkw mit zu hohen Abgasen wird Österreichs Luft mit 7.299 Tonnen mehr Stickstoffoxid belastet – Jahr für Jahr!

In Österreich laufen 16 Sammelklagen des VKI für 10.000 VW Käufer, 7.500 Geschädigte hat Cobin Claims gesammelt und an die 2.500 Geschädigte klagten individuell.  In Braunschweig beginnt am 30.9 die Musterfeststellungsklage  mit rekordverdächtigen 438.000 Beteiligte, davon 1.100 aus Österreich und Südtirol, die sich mit Hilfe des Verbraucherschutzes dafür angemeldet haben.

 

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