Diesel: Ministerin für “Kleine”

| 17.09.2018 | Wirtschaft

Seit Anfang September haben die meisten deutschen Hersteller die Pläne für das Update beim deutschen „Kraftfahrt-Bundesamt“ (KBA) eingereicht. Nach Freigabe kann mit den freiwilligen Updates begonnen werden. Es geht um die neueren Dieselautos, in denen bereits aufwändige SCR-Katalysatoren samt Harnstoffeinspritzung eingebaut sind.

Bei ihnen funktioniert die Abgasreinigung wie bei den manipulierten VW-Autos nur auf dem Prüfstand, aber nicht auf der Straße. Im Straßenbetreib wurde die Dosierung des Harnstoffs künstlich gedrosselt, sodass der Abgassenkungseffekt nicht voll greifen konnte. Gegen deutsche Hersteller ist deshalb auch ein Kartellprüfungsverfahren der EU im Gange, weil die Harnstoff-Tanks aus Kostengründen viel zu klein geraten sind.

Diese Harnstoffeinspritzung soll nun durch ein freiwilliges Update optimiert werden, auf das sich die deutschen Autohersteller beim Dieselgipfel in Berlin am 2. August 2017 mit der deutschen Regierung geeinigt hatten. In Deutschland geht es um 2,8 Millionen zurückzurufende Fahrzeuge, in Österreich um mindestens 220.000.

Der VSV, dessen Vorstand ich angehöre, fordert, dass man aus den massiven Fehlern der VW-Software-Updates für die Zukunft lernt. Autofahrer, deren Autos nach dem Update nicht mehr so funktionieren als vorher, sollen sich nicht mehr mit den Herstellern herumstreiten müssen. Sie sollen von vornherein eine hieb- und stichfeste Garantie erhalten, wonach die Hersteller für alle etwaigen negativen Folgen aufkommen.

Wichtig ist aber auch die korrekte Information für die betroffenen Autofahrer, wie „sauber“ das Fahrzeug nach dem Software-Update sein wird. Also wieviel Stickstoffoxid es nachher noch ausstoßen wird. Wichtig ist es hier, auch in kalten Wintermonaten den Abgassenkungseffekt sicherzustellen und nicht – wie bei den VW-Updates – nur in warmen Jahreszeiten.

Mit Sicherheit wird man nach den Updates öfter als bisher Harnstoff nachtanken müssen. Das kostet Zeit und Geld. Eine Faustregel lautet wie folgt: an Harnstoff soll  5% des jeweiligen Spritverbrauchs dazugegeben werden. Beispiel aus dem Buch von Peter Kolba und mir „Diesel-Schäden. Wie Sie sich wehren können!“: ein Auto mit einem Dieselverbrauch von 8 Liter pro 100 Kilometer braucht alle 1.000 km 4 Liter Harnstofflösung.

 

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