Top-Experte Dr. Friedrich: Das ist illegal

| 08.12.2019 | Wirtschaft

Dr. Friedrich hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wesentlich zum Aufdecken des Abgasskandals in der Autoindustrie (nicht nur VW!) beigetragen und hat selbst viele Abgasmessungen auf der Straße durchgeführt.

Frage: Worum geht es diesmal?

Dr. Friedrich: Es geht um Diesel-Pkw von Volkswagen, die von 2012 bis September 2017 gebaut und mit dem EA 288 Motor ausgestattet wurden. Der EA 288 Motor ist der Nachfolgemotor des Skandalmotors EA 189. Eingebaut wurde er in Autos der Kompaktklasse mit 1,6 und 2 Liter Hubraum der Euro-Abgasnorm Euro 6. Es sind sehr häufig verkaufte Autos von VW, Skoda, Seat und Audi.

Frage: Wurden diese Fahrzeuge schon offiziell zurückgerufen?

Dr. Friedrich: Nein, nur der VW T6 (Bulli), der im April 2019 zwangsläufig zurückgerufen worden war.  Aber wir vom Emissionskontrollinstitut EKI haben einen Audi A3 Sportback TDI getestet, der genau diesen EA 288 Motor eingebaut hat und der im März 2016 erstmals zugelassen worden war. Er ist der Abgasnorm Euro 6 zuzurechnen, hat 1,6 l Hubraum, 81 kW und gehört damit  zur Kompaktklasse. Ergebnis: dieses Dieselfahrzeug hatte auf der Straße einen Stickstoffoxid-Ausstoß von 438 mg/km. Das ist 5,5 mehr der Grenzwert von 80 mg/km erlaubt! Aus dem Testverlauf ergibt sich, dass es hier eine Abschalteinrichtung gibt.

Frage: Was genau wird hier vorgeworfen?

Dr. Friedrich:  Der Vorwurf lautet, dass die Abgasreinigung des Autos im Echtbetrieb gedrosselt wird. Ab einer Außentemperatur von +17 Grad wird die Zuführung von AdBlue schrittweise verringert. Bei  0 Grad ist sie dann völlig ausgeschaltet. In der Folge steigt der Abgasausstoß des Autos. Obwohl dieser Abgasausstoß weit über das erlaubte Maß hinaus steigt, zeigt das Computersystem diesen Fehler nicht an. Offenbar gibt es also eine Software, die diese Fehlermeldung unterdrückt.

Frage: Geht es da wieder um eine illegale Abschalteinrichtung?

Dr Friedrich: Eine Koppelung zwischen Außentemperatur und Abgasreinigung ist jedenfalls illegal.

Frage: Wie ist der Skandal aufgeflogen?

Dr. Friedrich: Aufgeflogen ist dieser Zusammenhang durch den Konzern selbst, wenn auch unfreiwillig. Bei einer Hausdurchsuchung wurde ein interner Vermerk gefunden. Darin  weist VW selbst darauf hin, dass es zwei verschiedene Funktionsweisen gibt, eine für den Prüfstand und eine andere für den Echtbetrieb auf der Straße.  Eine Umschaltsoftware, die die Abgasreinigung auf der Straße reduziert, nicht jedoch am Prüfstand, ist jedenfalls illegal.

Frage: Gibt’s das, dass man nach Platzen des Skandals noch weiter trickst?

Dr. Friedrich: Die neuen EA 288 wurde ja bereits vor Bekanntwerden des Dieselskandals gebaut. In der Folge wollte oder konnte man wohl nicht so schnell in der Produktion umsteigen.

Frage: Welche Diesel-Pkw sind dann überhaupt noch sauber?

Dr. Friedrich: Unsere Tests zeigen, dass die allerneuesten Euro 6 Fahrzeuge wirklich sehr sauber sind und weniger Abgas ausstoßen als der Grenzwert erlaubt. Es sind dies Fahrzeuge, die seit 2017 produziert und ab September 2019 zugelassen werden. Sie fallen in die Abgasnorm Euro 6d.-temp.

 

Ergänzend füge ich noch hinzu: VW bestreitet erwartungsgemäß alles. Im April 2019 musste VW jedoch die ersten Autos mit EA 288 Motor zurückrufen, den VW T6 (Bulli, Kleinbus). Im September 2019 gab es bereits erste Gerichtsurteile (OLG Köln) betreffend einen Tiguan mit EA 288 Motor zugunsten der Kläger. VW bestreitet und beruft sich darauf, dass das KBA diese „Thermofenster“ zum Schutz der Motorbauteile gestattet hätte. Für Dr. Friedrich ist diese Behauptung des KBA schlicht und einfach ein „Witz“. Auf den Motorschutz können man sich höchstens bei sibirischen Kältegrade mit minus 40 Grad oder auf 5.000 Bergeshöhe berufen, nich jedoch in unseren Breitegraden.

Zur Übersicht: Für die neueren Oberklasse-Autos derEuro 6 Abgasnorm (3 und 4,2 l)ist der Betrug längst klar, sodass in Deutschland die klagenden Autobesitzer großer Audis  A7, A8, VW Touaregs und Porsche Cayennes vor Gericht gewinnen. Österreicher können  mit Hilfe des Verbraucherschutzvereins (VSV) ebenfalls in Deutschland klagen, ohne Risiko und ohne Kosten (www.klagen-ohne-risiko.at). Vor kurzem musste Audi auch zugeben, sogar bei den Oberklassewagen der uralten Abgasklasse Euro 4 getrickst zu haben.

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