VW Skandal: Es reicht!

| 10.12.2017 | Wirtschaft

Schon seit längerem ist dieser Entschluss in mir gereift, speziell seitdem klar war, warum sich auch nach dem Software-Update der Stickoxid-Ausstoß nicht viel verringern kann. Nach dem Update ist der Motor  anders gelaufen. Es fühlte sich an, als wäre mein Tiguan  plötzlich zu einem alter Opa mutiert, der zwischendurch kurz schwächelt, dann aber wieder anzieht.

Nur noch drei Wochen kann man in Österreich gegen VW-Händler wegen der Schummelautos  klagen. Wer (wie ich)  keine Rechtsschutzversicherung hat, hat keine Chance,  gerichtlich gegen den mächtigen Konzern vorzugehen. Nur wenige  Betroffene schafften es,  in zweiter Instanz vor Gericht Recht zu bekommen und von VW die Herausgabe eines neuen Fahrzeugs zu erzwingen. Solche Einzelfälle,  die sich der gutverdienende Konzern locker leisten kann, wirken sich leider nicht auf alle anderen laufenden Verfahren aus.

Denn bisher  haben es die Wolfsburger Konzernherren geschafft, Urteile von Höchstgerichten zu vermeiden, die allgemein gültig sind.  In Österreich und in Deutschland. Auch wenn ein VW-Betroffener in einem anhängigen Verfahren vor dem Landesgericht Linz nicht locker lässt und bis zum Obersten Gerichtshof (OGH ) geht, kommt sein möglicherweise wegweisendes Urteil für viele Verfahren wohl zu spät.

Man muss ehrlich zugeben: In Europa ist es dem mächtigen VW Konzern gelungen, den selbstverschuldeten Abgasskandal voll aus zu sitzen. Europas Politik sah hilflos zu, wie  strenge Abgasvorschriften zugunsten von Gesundheit und Umwelt, von der Autoindustrie breitflächig ausgehebelt wurden – nicht nur von VW. Wozu, frage ich mich, hat man in Europa so intensiv und lange um sinnvolle und notwendige Abgasvorschriften gerungen? Wer zusieht, wie seine Gesetze mit Füßen getreten und ins Gegenteil verkehrt werden, stellt sich selbst in Frage!

Die deutsche Behörde, die den Schummeleien  jahrelang nicht auf die Schliche kam, hat VW bei der anschließenden „Reparatur“  auch noch kräftig geholfen. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vergatterte VW lediglich zu einem Software-Update, von dem niemand weiß, was genau es bewirkt und wie es sich längerfristig auswirkt. Keine Behörde hat den Konzern gezwungen, den entsprechenden „Code“ offenzulegen, nicht einmal der Fachwelt gegenüber.

So lag es an den Medien, den nächsten Skandal aufzudecken:  bei VW Fahrzeugen bleibt auch nach dem Software-Update das Abgasreinigungssystem die meiste Zeit des Jahres ausgeschaltet. Die Reinigung der Stickoxide funktioniert nur zwischen Außentemperaturen zwischen plus 15 und plus 33 Grad. In der kalten Jahreszeit – von Oktober bis Mai – werden in unseren Breitengraden alle Abgase hemmungslos in die Luft geschleudert. Und das mit Zustimmung der deutsche Behörde, dem KBA, das VW diese solche großzügigen Ausnahmen gewährt hat.

Die betrogenenVW Käufer müssen ihre Schummelautos brav in die Werkstätten fahren, um nicht die Zulassung zu verlieren. Sie werden mit einer läppischen Bestätigung abgespeist,  die nur besagt, dass das Update durchgeführt worden war. All jene, die danach Probleme mit ihren Autos haben, werden ausgebremst. Nur wer lästig ist und kämpft, kann Verbesserungen auf Kosten des Händlers durchboxen. Obwohl die Händler versichern, dass durch das Update keine Nachteile entstehen, weigert sich VW, darüber eine hieb- und stichfeste Garantie abzugeben. Ein letzter Versuch des Vereins für Konsumenteninformation, solche Garantien zu erwirken, ist an VW erfolglos abgeprallt. Nicht einmal ignorieren!

Während in die knapp halbe Million US-Kunden innerhalb 15 Monaten satte Kompensationen zugesprochen erhielten (zwischen 5.000 und 8.000 Dollar pro Fall) und obendrein wählen konnten, ob sie ihr Auto behalten (inkl Update) oder zurückgeben wollten, stehen die 8,5 Millionen Kunden des VW-Konzerns in Europa mit leeren Händen da – ausgenommen die wenigen, die den mühsamen Rechtsweg erfolgreich hinter sich bringen können.

In Europa hingegen sinken die Preise für alle Dieselfahrzeuge rasant, weil sich im Gefolge des VW-Dieselskandals gezeigt hat, dass auch viele andere Anbieter die schwammigen Abgasvorschriften ins Gegenteil verkehren. Kein Wunder, dass sich die Stickoxid-Emissionen in vielen Städten Deutschlands nicht eindämmen lassen und Fahrverbote für Dieselfahrzeuge vor der Haustür stehen. Mit höheren Steuern auf Diesel, wie sie Herr Müller für möglich hält, werden die sinkenden Preise noch mehr Fahrt aufnehmen. Rette sich wer kann.

 

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