In Pablo Neruda’s Mähne

| 17.05.2015 | Reise

 

„Mein Haus nistet unter vielen Bäumen. Nach langer Abwesenheit liebe ich es, mich in seinen versteckten Winkeln zu verlieren, um mein Heimkommen zu genießen“. Das hat Neruda, einer der bedeutensten Poeten des 20. Jahrhunderts über dieses Heim hier geschrieben.

Eigentlich ist es kein Haus, sondern vier verschiedene kleine Häuschen, die über einen Innenhof miteinander verbunden sind. Im ersten tobt der Hausherr seine Liebe zur See aus. Es ist einer Kajüte nachgeahmt, Bar inklusive.

Das Esszimmer dominiert ein großer Tisch. Anders als in Chile üblich, wo man sich beim Essen eher distanziert gegenübersitzt, hat Neruda seine Gäste nahe einander gegenüber sitzen lassen. Inspiriert wohl von den Bistros von Paris, wo er sein Land als Diplomat vertreten hat. Hinten in der Wand hinter dem Ess-Schrank ist eine versteckte Tür angebracht. Hier trieb der Hausherr seine kleinen Späßchen, indem er buchstäblich aus dem Nichts mitten in seine Gästeschar hineinplatzte. Jaja, die kleinen Späße eines großen Mannes.

Der nächste Trakt, das Wohnzimmer ist über eine Stiege im Innenhof zu erklettern. Es ist eine Art Turmzimmer. Über die großen Fenster kannst du wahrlich die Blicke schweifen lassen. „Neben dem verwitterten Fenster stehend auf dem blauen und weißen Andenhimmel starrend, spüre ich dass hinter meinem Rücken das Aroma des Frühlings sich gegen die Bücher durchfrisst“, schreibt der Poet und Politiker in „The Odors of Homecoming“ (Aus seinem Buch: Passions and Impressions).

Wieder geht es durch den Garten, vorbei an einer stilechten Bar, Marke Italia. Hier glaubt man, die Stimme des Meisters und seiner Gäste zu hören. Und den kräftigen Duft einer Zigarre zu riechen.

Im Garten, unter den Bäumen, werden die Besucher zu einem Spielchen verführt, zwei große Augen-Schablonen hängen im Gestrüpp und laden zu Experimenten ein. Heiter, gelassen und blau ist die Atmosphäre, bevor man zum Arbeitstrakt wechselt

Der ist eher spartanisch eingerichtet. Es dominiert ein übergroßer Tisch. Eine ernste Ruhe breitet sich aus. Die sanfte Heiterkeit von vorhin hängt noch ein wenig in der Luft.

In diesem Arbeitsraum wird Pablos Sammelleidenschaft deutlich in die Schranken verwiesen. „Die Muscheln sind die leisesten Bewohner meines Hauses. Sie bergen die Jahre des Ozeans in sich, erstarrt in der eigenen Stille. Zu den Jahren ist jetzt Zeit und Staub dazugekommen.“

Spontan überfällt uns die Lust, wieder einmal in den Werken des Nobelpreisträgers zu lesen.  Im letzten Raum in der „ Chascona“  kann man sie auch käuflich erwerben.

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