Mit Joel in der Atacama

| 18.03.2015 | Reise

Machuca ist ein winziges Nest auf dem Weg von San Pedro Atacama zu den weltberühmten Geysiren des El Tatio, die – auf 4300 Meereshöhe - an Dantes Inferno erinnern. In Machuca sind nur vier Häuser dauerhaft bewohnt, nur über den Sommer und in Ferienzeiten kommen die Ausgewanderten zurück.

Auch Joels Familie ist nach San Pedro Atacama gezogen, in das touristische Herz dieser Region im Norden von Chile. Der erst seit zwölf Jahren hier entstandene Tourismus hat seiner Familie neue Perspektiven eröffnet. San Pedro Atacama blüht und gedeiht und dehnt sich immer weiter aus.  Auch wer sonst nie in ein Museum hineinzubekommen ist, sollte sich hier das Museum anschauen, wo der Jesuitenpriester Gustavo Le Paige die faszinierende Geschichte dieser Gegend fein zusammengetragen hat.

Früher sind sie die Einwohner stets in den Minen gelandet, bei Salpeter oder Kupfer. Noch immer schuften  20.000 Bergarbeiter in der größen Kupfermine “Chuquicamata”, einen Kilometer unter der Erde, umhüllt von einer Dauerwolke aus Staub, die kilomeerweit zu sehen ist. Es ist dieselbe Mine, die im Leben des argentinischen Medizinstudenten Chè Guevara eine entscheidende Wende einleitete und ihn letztlich zum Revolutionär machte. Was dem Chè verweigert wurde, kann man als Tourist jetzt locker tun:  sich die Mine anschauen.

Joel ist jedenfalls stolz, nicht unter der Erde gelandet zu sein. Denn das Kupfer ist Segen und Fluch zugleich hier in Chile. Immerhin sorgt das Kupfer mit einem 55 Prozent Exportanteil für eine robuste Wirtschaft.  Ein Kumpfel verdient gut das Sechsfache eines Arbeiters. Gefährlich und gesundheitsschädigend ist die Bergarbeit allemal. Die geringen Verbesserungen seit der wundersamen Rettung der 33 verschütteten Kumpels nach 69 Tagen, konnten daran wenig ändern.

Joel hat Tourismusguide gelernt und darf uns begeistert die Schönheiten der Atacama zeigen: Das fanszinierende Mondtal, in der die NASA Roboter für den richtigen Mond trainiert haben.  Sein Heimatdorf, wo der Onkel Heilkräuter aus der Umgebung an Touristen verkauft und seine Tante das bezaubernde Dorfkirchlein liebevoll pflegt. Joel kommt in seiner Freizeit um zu helfen und die Lamas der Familie einzufangen.

Als  stolzer Nachfahre der Ur-Einwohner (ayllus) weiht er fremde Touristen in die  Geheimnisse des Sternenhimmels ein oder führt sie hinauf zum Lincancàbur, dem 5.900 hohen Vulkan, den sich mächtig über die Atacama stülpt. Er lässt seine Kunden in einsam gelegene Hotspots hineinspringen oder in den Salzsee, Famingos und Sonnenuntergänge beobachten oder zeigt ihnen, wie sie mit dem Rad San Pedro entdecken oder wie sie in den Dünen des Todestales Sandboarding betreiben oder nächtliche Rave Partys feiern können.

Der begeisterte Bergsteiger träumt nicht nur davon, die Berge Nepals zu erklimmen, sondern auch davon, dass seine Kumpels nach einigen Jahren in den Minen genug Geld gespart haben, um sich in San Pedro ein Tourismusgeschäft aufzubauen. Er selbst will sich früher oder später selbstständig machen, zusammen mit seiner Schwester, die  nachhaltigen Tourismus studiert.

 

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Alle Kommentare:

  • Julia

    18.03.2015 | 23:27 Uhr

    Wunderschön geschrieben ..man bekommt Lust zu reisen :)

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