Je suis…am Anfang

| 16.01.2015 | und Sonstiges

 

Zufall oder nicht? Sicher nicht. Schließlich töteten die barbarischen Mörder auch jenen Polizisten, der seinen Beruf ausübte und die Redaktion beschützen wollte. Dass Polizisten tatsächlich auch ihr Leben riskieren, wird einem plötzlich bewusst. Nicht zufällig kam eine gute Freundin von mir auf die Idee, sich auf dem Weg vom Schwarzenbergplatz zum Ballhausplatz bei der heimischen Exekutive dafür zu bedanken.

Dass der ermordete Polizist ein Muslim war, zeigt in aller Deutlichkeit, dass der Terror vor niemandem Halt macht.  Dass ein junger Migrant aus Mali vielen potenziellen Mordopfern das Leben rettete, ausgerechnet als er sich – als Muslim – zum Gebet zurückgezogen hatte,  ist zweifellos eine persönliche Heldentat. Eine Heldentat mit einer tieferen Symbolik.

Dass Menschen und Regierungen in den Tagen nach diesem mörderischen Anschlag auf Journalisten und das Menschenrecht der Presse- und Meinungsfreiheit zusammenrückten, tut seelisch gut. Doch Symbole allein sind nicht genug.

Sind  sind nur ein Anfang. Jetzt müssen Taten folgen. Denn der Terror hört nicht von selbst auf. Die Verstärkung von Polizei und Einsatzkräften reichen als Antwort nicht aus. Und ein völliger Verzicht auf Datenschutz oder ein Run zum Wutbürgertum sind der falsche Weg.

Es ist an der  Zeit, Handlungen zu setzten. Nicht nur in der Politik, in der Öffentlichkeit, sondern  auch im Alltag.  Im ganz persönlichen Leben.

Wie wär‘ s damit, andere Menschen wieder mehr zu respektieren? Von Mensch zu Mensch, unabhängig von Aussehen, Hautfarbe, Herkunft und Religion? Wir wär’s, wenn wir einander wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, wieder mehr Anteil nehmen? Oder Dinge teilen, verteilen?

Als erstes To do habe ich am Rückweg vom Ballhausplatz beschlossen, alle Kästen zu durchforsten und Flüchtlinge mit nützlichen Dingen zu beliefern. Hier und jetzt.

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Alle Kommentare:

  • Isolde Mersi

    16.01.2015 | 14:01 Uhr

    Das Hemd ist uns näher als der Rock, so sind wir Menschen nun mal – auch in Zeiten der Globalisierung. Und daher sind wir Europäer erst aufgewacht und massiv zusammengerückt, als die islamistischen Terroristen auf “unserem” Boden wahllos Menschen ermordet haben. Wer am Mittwoch das Weltjournal im ORF gesehen hat,hat jetzt auch eine erschreckend klare Übersicht über das brutale Wüten dieser Mörder in Afrika, im näheren und ferneren Osten. Die Massaker dort kosteten und kosten unvergleichlich mehr Menschen das Leben als in Paris, zerstören ganze Dörfer und Landschaften und zwingen unzählige Menschen zur Flucht – hauptsächlich zu uns nach Europa. Die Sendung gab(und gibt, denn sie ist in der ORF-Tvthek noch nachzusehen: http://tvthek.orf.at/program/Weltjournal/1328/WELTjournal-Islam-extrem-weltweit/9078751)auch einen beängstigenden Überblick über das Wirken und die Wege der Fanatisierung, über das Schüren von Gewaltbereitschaft im Namen einer Religion. Ja, wir müssen etwas tun, aber was? Dieser Gedanke geht mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich finde es so bedenklich wie deprimierend, dass die ersten Taten, die unseren staatlichen Vertretern einfallen, dem sinnlosen Automatismus folgen: Rüsten wir die Polizei auf, die Hüter von Ordnung und Sicherheit. Das hatten wir nämlich schon mal, und es hat nicht das geringste genützt: Weder Hochsicherheitsgefängnisse noch verstärkte Bespitzelung durch Geheimdienste oder Überwachung durch die Polizei konnten die Mordanschläge “unserer eigenen” Terroristen von den Roten Brigaden, der RAF und anderen europäischen Terrorgruppen auch nur im geringsten verhindern. Ich habe kein Patentrezept, aber das Gefühl, etwas zu tun, könnte auch bedeuten, etwas zu lassen: Zum Beispiel die Kategorisierung der Menschen in Zivile und Polizisten, in Juden, Molems, Christen etc., in Rassen oder in ARM und Reich. Nüchtern betrachtet,vereint uns alle die von keiner Ideologie zu vereinnahmende Tatsache, dass jeder Mensch, der geboren wird, ein ERDENBÜRGER ist. Die Ressourcen unseres Planeten, das verfügbare Wissen und die Erkenntnisse der Generationen vor uns wären im Prinzip so beschaffen, dass wir alle ein gutes Leben in Gemeinschaft führen könnten, ohne uns und leider auch unsere Kinder im Namen von Religionen oder Ideologien gegenseitig fertig zu machen.

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  • Julia

    17.01.2015 | 12:34 Uhr

    Sehr schöner Beitrag…danke!

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