Griss u(m)nd Mitterstieler

| 19.12.2014 | Wirtschaft

 

Mit großer Verständlichkeit analysiert die renommierte Wirtschaftsredakteurin Esther Mitterstieler („Stoppt die Banken, Braumüller Verlag“), warum die Banken auch in Zukunft nicht aufhören werden, zu spekulieren und was noch passieren muss, um künftige Finanzkrisen zu vermeiden. Sie deckt Systemfehler auf, wie zum Beispiel die Rolle der Rating-Agenturen, die die Falschen in Top-Rankings hievten.

Die gebürtige Südtirolerin zeigt auf 190 Seiten glasklar auf, warum  gerade die österreichischen Steuerzahler zu den Verlierern der Finanzkrise zählen: auch weil Politiker und Entscheidungsträger geschlampt, zu lange gezögert und zugewartet haben. Sie liefert damit den perfekten Steilpass zum 344 Seiten Bericht der Untersuchungskommission über die Hypo-Alpen-Adria, der Monate später veröffentlicht wurde.

Der Griss-Bericht  offenbart ein multiples Organversagen auf allen Ebenen. Alles, was schief gehen kann, lief hier schief. Der Bericht liest sich wie ein Krimi. Die Realität toppt jede Fantasie. Zur Skrupellosigkeit des verunglückten Kärntner Landeshauptmannes Haider kommt die unglaubliche Ahnungslosigkeit zweier ÖVP-Finanzminister, die ihren bestens vorbereiteten Gegnern aus Bayern völlig hilflos gegenüberstanden.

Dazu kam noch die völlig Selbstlähmung der Krisenbank durch einen politisch motivierten Aufklärungswahn, der wirtschaftliche Verluste noch weiter produzierte statt zu vermeiden. Eine unfassbare Kette an Fehlleistungen, für die alle Steuerzahler zu Kassa gebeten werden. Mit wohltuender Nüchternheit listen Irmgard Griss und Co der Reihe nach diese Ereignisse auf und fügen hinzu, was unterlassen wurde.

Nicht nur weil bald Weihnachten ist:  Die scharfsinnigen Bücher dieser zwei zarten Frauen, mit denen ich auch schon persönlich zu tun hatte, lässt eine zarte Hoffnungspflanze keimen, dass endlich doch noch die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Die hier dokumentierte neue Sachlichkeit ist jedenfalls eine gute Grundlage für bessere Jahre.

 

 

 

 

 

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Alle Kommentare:

  • Barbara Zsifkovits-Haunschmid

    19.12.2014 | 22:00 Uhr

    Ich teile diese Ausführungen zum Buch von Fr. Mitterstieler zu 100 %. Endlich eine verständliche und klare Stellungnahme zu diesem brisanten Thema. Freue mich auf ein neues Werk der Autorin.

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