Per Du mit der wilden Kuh

| 28.08.2014 | Reise

Fast zum Fürchten schauen sie aus, die „Indianderbüffel“ mit ihren dreieckigen Köpfen und wuchtigen Hörnern. Ihre überdimensionierten Buckel sehen aus, als hätte jemand versucht, den Tieren das zottelige Fell über die Ohren zu ziehen und sei mittendrin stecken geblieben. Wer den tagesaktiven Wildrindern beim Grasen zusieht, hält einen gehörigen Respektabstand ein, zumal sie meist im Rudel auftreten. Das machen auch wir im Custer Nationalpark, wo seinerzeit ungezählte Indianer und der berühmte Häuptling „Sitting Bull“ ihren aussichtlosen Kampf gegen die mordenden Siedler verloren.
Mitten in der Herde spielen rotbraune Kälber. Herzig schauen sie aus, mit ihren Kulleraugen und ihrem neugierigen Blick! Wie wir Menschen verbringen sie neun Monate im Mutterleib. Doch anders als Menschenkinder haben Bison-Babys höchstens zwei Tage Zeit, um sich mit der Herde auf den Marsch zu begeben. Nur die Starken kommen durch.
Die wilden Verwandten unserer Kühe kümmern sich rührend um ihre Kälbchen. Die Muttertiere beschützen und bewachen den Nachwuchs, notfalls durch Angriffe auf alle vier- oder zweibeinigen Feinde. Trotzdem müssen sich die Kälbchen einiges einfallen lassen, um von der Mutter Nahrung zu bekommen (Video). Sich der Mutter zu nähern, nützt nichts, solange diese selbst mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt ist. Verdutzt stapft das Kleine der Mama hinterdrein, stupst sie schüchtern mit der Schnauze und wird – glatt ignoriert. Nun versucht es, mit der Mutter zu kuscheln, als diese sich kurz hinlegt. Wieder Fehlanzeige! Es dauert noch ein Weilchen, bis das Kälbchen endlich saugen darf.
Beherzte Naturschützer und Sponsoren haben viel Geld und Energie in Naturparks wie den Custer Nationalpark gesteckt und damit bewirkt, dass die vom Aussterben bedrohten Bisons gerettet wurden und in Amerika den bisher höchsten Bestand erreichten. Richtiges Verhalten bei der Tierbeobachtung wird den Parkbesuchern eindringlich eingeschärft: Mit Plakaten, Foldern und Videos, von den „Rangers“ vor Ort. Auch die Touristen warnen sich im Zweifelsfall gegenseitig, wenn manche im Eifer des Filmens und Fotografierens verbotenes Terrain betreten.
Solche Um- und Vorsicht empfiehlt sich auch bei Begegnungen mit unseren zahmen Alpenkühen. Obwohl viele Wanderwege über Almen und Hochalmen führen, sollte man nie vergessen: Die Weiden sind eigentlich ureigenstes Rindergelände! Es genügt meist, einen großen Bogen um die Herden zu machen, besonders dann, wenn Kälbchen dabei sind. Oder wenn einzelne Kühe die Wanderer anstarren. Man sollte vor ihren Augen auch nicht im Rucksack wühlen, sonst glauben die Tiere, dass sie einen besonderen Leckerbissen bekommen und rücken einem auf den Leib. Besondere Vorsicht ist beim Wandern mit Hunden geboten: Die Kühe sehen in ihnen leicht den Wolf, ihren Todfeind. Wird man mit dem angeleinten Hund von einer Kuh verfolgt, sollte man sofort die Leine loslassen. Der Hund rennt schneller als das Rind, das ihn vertreiben will und bringt sich selbst in Sicherheit.
Besonders gefährlich wird’s, wenn Kühe ihre Köpfe senken, leicht in die Knie gehen und schnauben. Das sind die Drohgebärden vor dem Angriff! Greift die Kuh tatsächlich an, sollte man weder davonrennen noch dem Tier den Rücken kehren. Besser ist es, mit lautem Rufen die Flucht nach vorn zu wagen, mit einem Stock oder Steinwurf zu drohen.

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