VW: Mit blauem Auge aus Corona?

| 07.04.2020 | Wirtschaft

VW gehört zu den profitabelsten Konzernen Europas. Allein in den letzten Jahren summiert sich sein Gewinn auf stolze 100 Milliarden Euro. VW zahlt seinen Spitzenmanagern traumhafte Gagen. Ex-Ex-Chef Martin Winterkorn kassierte allein im Skandaljahr 2015 noch 20 Millionen Euro. In Österreich zählt die Eigentümerfamilie der Porsche Holding zu den Reichsten der Reichen. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich hat VW seine Produktion im Zuge der Corona-Virus-Krise stillgelegt und Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Ob im Gegenzug die Dividende an die Aktionäre gestoppt wird, ist nur in Österreich ein Thema.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Kurzarbeit ist sicher ein sinnvolles Instrument, um vorübergehende Nachfrageeinbrüche zu überstehen. Doch für Kurzarbeit zahlt die Allgemeinheit, sprich die Gemeinschaft der Steuer- und Abgabenzahler! Sie ist eine staatliche Hilfe. Doch so ein hässliches Wort wollen VW Vertreter so gar nicht in den Mund nehmen. Nein, staatliche Hilfe würden sie nicht in Anspruch nehmen, betonen sie treuherzig. Bei uninformierten Medien kommen sie mit diesem falschen Wording auch noch durch.

Im Gefolge des tödlichen Virus wird der Autoverkauf in Europa heuer um 18 bis 36% schrumpfen, meinen die Experten. Bei VW würden es nur mehr 3 Millionen bzw 2,4 Millionen Autos sein statt vormals 3,75 Millionen. Bei unverändertem Autoverkauf drohten VW 4,5 Mrd. Strafzahlungen, weil der Konzern sein CO2 Flottenziel (von 96 g) für 2020 um 12,7 Gramm verfehlen soll. Pro Gramm und verkauften Autos müssen die Konzerne 95 Euro Strafe zahlen. Mit deutlich weniger verkauften Autos macht die Strafe nur mehr 3,6 oder 2,9 Mrd. Euro aus, also um eine Milliarde bzw. eineinhalb Milliarden weniger!

Während Autokonzerne wie VW mit einem blauen Auge aus der Corona-Krise kommen könnten und dabei massiv staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, schaut es im Autohandel viel trister aus.

Der Autohandel könnte auf der Strecke bleiben, wenn er sich nicht rechtzeitig auf die Hinterfüße stellt. Der Autohandel ist corona-virus-bedingt zum Zusperren gezwungen. Zwar können auch Autohäuser auf Kurzarbeit zurückgreifen. Wenn aber viel zu wenig Menschen Autos kaufen, können sie die Verkaufsziele nicht erfüllen, die ihnen die Autohersteller für heuer gestellt haben. Da diese Ziele mit den Gewinn-Margen gekoppelt sind, schmelzen den Autohändlern die Gewinne weg, wenn sie die Ziel verfehlen. Erschwert wird ihnen das Leben durch manche Autokonzerne, die auch noch Extra-Quoten für den Verkauf von E-Autos vorschreiben, die am Markt nur zögerlich ankommen.

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