SUV-Boom eiskalt kalkuliert

| 21.01.2020 | Wirtschaft

Der enorme Verkauf von SUV’s entspricht exakt dem Fahrplan des VW-Konzerns. VW-Chef Herbert Diess hatte ihn bereits Ende November 2017 im Manager Magazin unumwunden angekündigt: „SUVs sind der Motor für Wachstum und Profitabilität.Bis 2020 rollt VW erst einmal viele neue SUVs auf den Markt, die höhere Profite abwerfen als der Golf oder der Polo. Die SUV-Gewinne sollen die hohen Ausgaben für jene Elektromobile finanzieren, mit denen VW dann ab 2020 den Massenmarkt aufrollen will.“ Bis 2020 sollen 20 SUV-Modelle dazukommen, die für 40 % des Absatzes sorgen.

Es ist dem Konzern offensichtlich gelungen, die großen und bequemen Autos optimal zu bewerben und zu verkaufen. Der Anteil der SUV‘s und Geländewagen schnellte 2019 in Deutschland und Österreich schon auf über 30%.

Mit üppigen SUV-Margen kann der Konzern schöne Gewinnpolster aufbauen und damit etwaige CO2 Strafzahlungen bewältigen. Strafzahlungen für 2020 sind deshalb wahrscheinlich, weil VW mit dem Verkauf von E-Autos noch nicht soweit ist, um das Flottenziel damit schon heuer drücken zu können.

Diese CO2 Strafzahlungen werden sich für VW in Grenzen halten. Und zwar aus drei Gründen:

Erstens: Noch mehr SUV verkaufen, vorrangig Diesler

Zweitens: Die großen Spielräume beim CO2 Flottenziel ausnützen

Drittens: Preis für E-Autos möglichst hoch ansetzen

Ad 1: Konzerne wie VW versuchen, möglichst viel SUV mit Dieselantrieb zu verkaufen, da sie weniger CO2 ausstoßen als Benziner. Das kann umso eher gelingen, wenn Diesler glaubhaft als sauber dargestellt und der Abgasbetrug bereinigt werden kann. Vom Markt wird Druck aufgebaut, alle anhängigen Diesel-Klagen möglichst rasch mit Vergleichen endgültig vom Tisch zu fegen.

Ad 2: Das CO2 Flottenziel von 96 g/km wird der VW-Konzern heuer wohl verfehlen. Richtig ernst wird es ja erst 2021, wenn alle Fahrzeuge einbezogen werden müssen. Für heuer reichen 95% der verkauften Autos, sodass die stärksten Boliden (Porsches) mit dem größten CO2 Ausstoss ausgeklammert werden dürfen. Das größte Entgegenkommen für die Branche ist aber,  dass für das Flottenziel nur die alten, realitätsfremden CO2 Werte (nach NEFZ) herangezogen werden und nicht die neuen, realitätsnahen CO2 Werte (nach WLTP), die eine satte Steigerung um 28% bedeuten würde. Zudem gibt es heuer noch zahlreiche Super-Credits, mit denen das Flottenziel um einige Gramm gedrückt werden kann.

Ad 3: Daneben wird VW möglichst teure E-Modelle auf den Markt bringen. Weil die Stromer in größerem Stile erst ab Jahresmitte verkauft werden können, kann man das CO2 Flottenziel zwar nicht viel drücken. Auf Dauer lässt sich damit aber trefflich verdienen. Dass E-Autos überteuert angeboten werden, stößt bei den Händlern bereits auf Kritik. Nicht einzusehen sei, warum E-Autos so viel mehr kosten, wenn man für ihre Produktion nur mehr einen Mitarbeiter braucht statt 10 wie bei einem Verbrennungsmotor. Doch hier eilen einige reiche Staaten wie Österreich und Deutschland den Konzernen zu Hilfe. Sie senken mit ihren staatlichen Prämien die überteuerten Preise und erleichtern den Verkauf der Stromer. In Österreich profitieren davon zu 80% Unternehmen oder Kommunen, während die Privatkunden noch zögern.

Spannend wird’s, ob Käufer und Politik beim Spiel des Konzerns mitmachen werden.  Zumal E-Autos von vielen Umweltschützern zunehmend nicht als „grüne“ Alternative angesehen werden. Und für viele Autofahrer eine ganze Menge praktischer Fragen noch völlig offen sind wie: Reichweiten, zu lange Ladezeiten, unfaire und undurchsichtige Tarife, Wiederverkaufswert der Autos, Entsorgung der Batterien, Herkunft des Stroms, Ökobilanz der Stromer.

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