VW: Klagen, was sonst?

| 06.12.2019 | Wirtschaft

Diese Einzelklagen werden deshalb in Deutschland eingebracht, weil es im Heimatland des Autoherstellers Volkswagen erstens keine Streitereien darüber gibt, ob in Deutschland gegen VW geklagt werden kann. Der weit wichtigste Grund sind aber die guten Erfolgsaussichten, da deutsche Oberlandesgerichte (13 von 24) und deutsche Landgerichte (97 von 115) verstärkt zu Gunsten der Auto-Käufer entscheiden. Die Aktion des Verbraucherschutzvereins steht allen offen, die bisher noch keine rechtlichen Schritte ergriffen haben und deren Ansprüche noch nicht verjährt sind.  250 Einzelklagen sind möglich. Die Kläger gehen kein Risiko und keine Kosten ein, weil Prozessfinanzierer das gesamte Kostenrisiko übernehmen und dafür im Erfolgsfall eine Provision von zwischen 25 und 35 Prozent.  Diese Aktion können sowohl Verbraucher als auch Unternehmer in Anspruch nehmen. Anmeldung  genügt, unter www.klagen-ohne-risiko.at. Eine gewisse Eile ist geboten, weil der VSV zunächst 250 Klagen anbieten  kann.

Zurück zur neuesten Variante des VW Abgasskandals: diesmal geht es um den Nachfolgemotor des Diesel-Skandals-Motor, den sog. EA 288. Dieser Motor wurde in die Diesel-Fahrzeuge mit 1,6 und 2 Liter Hubraum der Abgasklasse Euro 6 eingebaut, ab 2014 bis September 2017. Man sieht: gebaut und verkauft wurden diese Motoren auch nach Auffliegen des VW Dieselskandals im Jahr 2015!

Hier eine Übersicht, über die bisherigen Etappen des Abgasskandals

Dieselskandal I (Urknall)

11 Mio. Diesel-Fahrzeuge des VW Konzerns mit den Marken VW, Skoda, Audi, Seat  mit EA 189 Motoren der Euro Abgasklasse Euro 5, mit 1,2; 1,6 und 2 Liter Hubraum sind wegen illegaler Abschalteinrichtungen im September 2015 aufgeflogen. In den USA bekamen die Kunden dafür Schadenersatz von 8.000 bis 10.000 Dollar und der Konzern musste das Auto zurückkaufen. In Europa kam es lediglich zu Software-Updates, in Österreich wurden rund 380.000 (nicht: 360.000!!) zurückgerufen.

Gegenwehr: Sammelklagen: VKI in Österreich, VSV in Deutschland Musterfeststellungsklage

Problem: Alles per Jahresende 2019  verjährt.

Dieselskandal II

Im Jahr 2018 flog auf, dass auch in Europa die  „großen“ Audis, VW Touraegs und Porsches mit EA 897 Motoren der Euro Abgasklassen Euro 6 mit 3 und 4,2 Liter Hubraum eine Illegale Abschalteinrichtung haben. Bisher wurde das stets von VW für Europa bestritten, jedoch in USA zurückgerufen. In der Folge kam es auch in Österreich im Verlauf des Jahres 2028 zu Rückrufen von großen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, Q7, VW Touaregs  sowie Porsche Cayennes. (rund 10.000).

Gegenwehr: VSV bietet Betroffenen die Chance, in Deutschland zu klagen, risiko- und kostenlos, weil dort die Gerichte verurteilen.

Dieselskandal III

Im Laufe des Jahres 2017 mussten auch Modelle von Opel und Renault, 2018 Modelle von BWM und 2019 auch noch Mercedes-Daimler Autos europaweit zurückgerufen werden. Bei Mercedes waren es die neueren Autos mit Abgasnorm Euro 6 wegen illegaler Abschalteinrichtungen. Allein  in Österreich wurden 14.308 Fahrzeuge des Daimler-Mercedes-Konzerns per Gesetz zurückgerufen, weitere 43.555 freiwillig.

Gegenwehr: VSV sammelt Interessenten, plant  Hilfsaktionen im neuen Jahr 2020

Dieselskandal IV

Anfang (5.11) und Mitte November (11.11.2019) mussten ganz alte Diesel-Autos aus dem VW Konzern der Abgasnorm Euro 4 zurückgerufen werden, die 2003 bis 2009 gebaut und ein Jahr später auf den Markt gekommen sind. In Deutschland sind es 105.000 Autos mit 2,7 Liter Hubraum, A6, A7, A8, VW Touareg und Phaeton. Wegen illegaler Abschalteinrichtung. Es hat sich also bewahrheitet: Audi ist die Keimzelle des Betrugs. In Österreich sind die Zahlen noch nicht bekannt.

Gegenwehr: Sobald Rückruf in Österreich, kann man  (anders als in D) noch Schadenersatz verlangen.

Dieselskandal V

Jetzt wurde bekannt, dass Volkswagen auch beim Nachfolgemotor des Skandalmotors EA 189 geschummelt haben soll, also bei Diesel-Pkw mit dem EA 288. Das sind Autos der Abgasnorm Euro 6, die zwischen 2014 und 2017 gebaut wurden, also teilweise nach Urknall des Dieselskandals im Jahr 2015. Es handelt sich um Autos der Kompaktklasse, mit 1,6 und 2 Liter Hubraum.  Also Golf, Tiguans usw. Bei ihnen wird die Abgsreinigung (Adblue) gedrosselt, sobald die Temperatur unter +17 Grad sinkt. Ab 0 Grad ist sie völlig ausgeschaltet. Diese Praxis flog durch eine interne Anweisung von VW auf, die unterschiedliches für den Prüfstand und den Straßenbetrieb vorgegeben hat. Bewahrheitet sich dieser Vorwurf, wären sehr viele Diesel Pkw in Deutschland betroffen, Golf, Tiguan, usw. usw.

Zum ersten Mal wurde man auf diese EA 288 Motoren bereits im April 2019 in Deutschland aufmerksam, weil dort diese Autos  mit der Begründung zurückgerufen wurden: „Konformitätsabweichung führt zur Überschreitung des Euro-6-Grenzwertes für Stickoxide“. Konkret wurden damals europaweit 185.383 Stück des VW T6 mit 2 Liter Hubraum zurückgerufen. Über die Österreichzahlen gibt es noch keine Informationen.

Gegenwehr: Abwarten und geeignet reagieren.

 

 

 

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