Vor Braunschweig: Noch ein Knüller

| 28.09.2019 | Wirtschaft

Das Handelsblatt stützt sich bei seinem Bericht auf Aussagen eines hochrangigen VW-Ingenieurs und eines langjährigen Audi-Technikers. Gegen beide wird als Beschuldigte ermittelt, haben vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt und erklären übereinstimmend, wie es funktioniert haben soll.

Bei einer Automatik-Schaltung entscheidet das System,  wann auf den höheren bzw. niedrigeren Gang geschaltet wird. Auf dem Prüfstand wurde dafür ein anderer Verlauf unterlegt als auf der Straße. Auf dem Prüfstand wurden die Benziner „untertourig“ gefahren, also sehr rasch auf höhere Gänge geschaltet. Bei den Dieslern lief es am Prüfstand umgekehrt: hier wurde „übertourig“ gefahren, also erst im letzten Moment auf die höhere Gänge geschaltet. Das Resultat war beide Male dasselbe: niedrigere CO2-Werte, weniger Abgas (NOX). Auf der Straße wurde auf einen anderen Modus umgeschaltet und auf dieses unrealistische Grundmuster verzichtet. Denn das Aufjaulen der Motoren oder das Geleiere des Getriebes wäre den Lenkerinnen und Lenkern sonst aufgefallen. Bei manchen Autos sollen die CO2- und NOX-Werte um bis zu 20 Prozent geschönt worden sein, schreibt das Handelsblatt.

In den USA hat VW bereits Ende August dieses Jahres 100 Millionen Dollar für 98.000 Benziner zahlen müssen, weil die US-Zulassungsbehörde EPA auf diesen Automatik-Schwindel draufgekommen war. Interne Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, lassen den Schluss zu, dass dasselbe nicht nur in den USA, sondern auch in „RoW“ passiert ist. „RoW“ heisst im VW Jargon „rest of world“.

Nach Aussagen des VW Ingenieurs hat VW im Jahr 2016 mit dem Automatik-Schwindel aufgehört und im Zuge des  regulären Service klammheimlich versucht, die Abschalteinrichtung wieder abzuschalten. Ob das bei meinem  Tiguan der Fall war, kann ich nicht beurteilen. Ich habe ihn von Anfang  2012 bis Ende 2017 gefahren und in regelmäßig in einer VW-Marken-Werkstätte servisieren lassen.

VW bestreitet diese Vorwürfe und weist darauf hin, dass 24.800 Diesel- Audis der Modelle A7 und A8 zwangsweise zurückgerufen worden seien. Aber nicht wegen illegaler Abschalteinrichtungen, sondern wegen Nicht-Konformität.  Tatsächlich findet sich in der Datenbank der deutschen Zulassungsbehörde KBA ein Rückruf (8186) von Audi vom 16. August 2019: wegen Konformitäts-Abweichung vom Anhang zur Verordung 692/2008. Er betrifft aber nicht den A7 oder A8, sondern  den Q5, vom dem weltweit 85.641 Stück zurückgerufen wurden, davon 21.500 in Deutschland. Auch  A7 und A8 hat das KBA zurückgerufen, aber bisher stets wegen illegaler Abschalteinrichtung. Irgendwie passt das nicht zusammen.

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