Ab April Nachrüstungen möglich

| 04.01.2019 | Wirtschaft

Bei einer Tagung in Wien, organisiert von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und vom VCÖ (Verkehrsclub Österreich) fand der versierte Techniker Zeit, mir als Vertreterin des Verbraucherschutzvereins (VSV) zehn Fragen zu Hardware-Umrüstungen von Diesel-Pkws  exakt zu beantworten, mit denen der Ausstoß des Abgases Stickstoffoxid wesentlich mehr gesenkt werden kann als durch Software-Updates.

Was passiert genau bei Hardware-Umrüstungen?

Dr. Friedrich: „ Es werden nachträglich ein Tank für Harnstofflösung („AdBlue“) in das Auto sowie im Bereich des Auspuffs  ein SCR- Katalysator eingebaut. Wir verlangen eine Senkung des Stickstoffoxids um mehr als 75 %. Das muss auch dann klappen, wenn es draußen Temperaturen von unter -7 oder über +35 Grad hat“

Was hat das für Folgen beim Fahren?

Dr. Friedrich: „Ein bis zwei Prozent mehr Spritverbrauch. Und 5% AdBlue  pro 1.000 Kilometer.  Kunden müssen über diesen geringfügigen Mehrverbrauch informiert werden. Längerfristige Schäden durch den Einbaus des Systems am Fahrzeug oder erhöhter Verschleiß sind nicht zu erwarten.“

Für welche Autos haben Nachrüstungen einen Sinn?

Dr. Friedrich:“ Vor allem für Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5. Für fast die Hälfte dieser Fahrzeuge gibt es bereits Nachrüstungslösungen, die von den Herstellern selbst angeboten wurden. Wir haben in einen VW Passat der Euro-Abgasklasse 5 eine Nachrüstung mit originären Bestandteilen des VW- Konzerns eingebaut. Damit ist es gelungen, den Stickstoffoxid-Ausstoß von 1.030 Milligramm pro Kilometer auf 52 mg/km zu senken! Dabei ist der CO2 Ausstoß nur minimal angestiegen,  von 167 auf 169 Gramm. Es geht also. Im Prinzip klappt es bei den größeren besser, aber auch bei den kleineren Autos gibt es kaum Problem mit Platz. Eine analoge Lösung ist beim BMW X3 mit BMW Bauteilen aus der US- Version aufgebaut worden.“

Zahlt es sich aus, auch Euro 4 Autos nachzurüsten?

Dr. Friedrich: „ Auch dafür gibt es  Lösungen. Es stellt sich nur die Frage, ob es sich bei einem 10 Jahre alten Auto, das nur mehr ein paar Tausend Euro wert ist, noch rentiert, 2.000 Euro für eine Nachrüstung auszugeben. Aber: Mit einem Euro 4 Diesel bleibt man künftig aus manchen deutschen Städten ausgesperrt. Dabei haben die Hersteller bei Euro 4  ja noch nicht so viel getrickst wie bei  den Euro 5. Wir dürfen nicht vergessen: auf der Straße stößt ein Euro 5 Diesel im Mittel in Deutschland 906 mg Stickstoffoxid aus und damit mehr als eine Euro 4 Diesel mit 674 mg.“

In Österreich ist es ganz ähnlich, mit 846 mg (Euro 5) und 642 (Euro 4). Aber reichen 3.000 Euro fürs Nachrüsten aus?

Dr. Friedrich: „Bei den meisten Fahrzeugen bei weitem. VW und Mercedes haben diese Summe in Aussicht gestellt und hoffentlich auch BMW. Halt nur für 15 deutsche Städte, in denen die Luft-Belastung ganz stark ist.“

Wird man Nachrüstungen auf diese Städte eingrenzen können?

Dr. Friedrich: „Das ist völlig unrealistisch. Dabei bleibt es sicher nicht!“

Sollen diese Nachrüstungen die Auto-Hersteller selbst machen?

Dr. Friedrich: „Nein, dafür gibt es Zulieferer, die das können, vier Anbieter allein in Deutschland. Sie müssen ihre Nachrüstungen nur mehr zertifizieren lassen. Das geht in 2 bis 3 Monaten, ab April könnte es Nachrüstungen geben. Eingebaut werden sie von den Werkstätten.“

Sollen die Hersteller dann dafür haften?

Dr. Friedrich: „Jeder muss für seinen Teil haften: die Autohersteller fürs Auto, die Zulieferer für die Nachrüstungssets und die Werkstatt für den Einbau“.

Kein Fahrverbot soll es in Deutschland für Autos geben, die weniger als 270 mg Stickstoffoxid ausstoßen. Wie kam es zu diesem neuen Zonenwert?

Dr. Friedrich: „1,5 Mal den Grenzwert für Euro 5 Autos. 270 mg sind genau das Eineinhalbfache  von 180.“

Was halten Sie vom Standpunkt der Autohersteller, Abgasreinigungsvorrichtungen wegen des Motorschutzes ab zu schalten?

Dr. Friedrich: „Der Bauteile-Schutz gilt nur Extremfälle, z.B. für Temperaturen in Nordfinnland mit -40 Grad Celsius und oder für den Großglockner! Die sogenannten Thermofenster sind nur eine Ausrede. Thermofenster ist ja kein technischer Begriff, sondern von der Politik erfunden. Jetzt haben sie beim Software-Update die Thermofenster manchmal auf +5 Grad ausgeweitet und nicht mehr ab +15 Grad Celsius. Aber das ist immer noch völlig unakzeptabel!“

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