Euro-5-Diesler mit größter Abgaswolke

| 15.11.2018 | Wirtschaft

Der Sinn der Abgasnormen ist es ja, die Autos ständig sauberer zu machen und nicht dreckiger. Daher ist für Euro-5-Autos, die zwischen 2011 und 2015 zugelassen wurden, ein viel strengerer  Grenzwert  vorgeschrieben als für Euro-4-Autos, die zwischen 2006 und 2010 zugelassen wurden: 180  statt 250 Milligramm pro Kilometer.

Damit steht amtlich fest: In Realität stoßen die Autos das  4,7-Fache (Euro 5) und das 2,6 Fache (Euro 4) des Grenzwertes aus.

Doch warum zum Teufel emittieren Euro 5 Diesler mehr Stickstoffoxid als Euro 4?

Es hängt mit dem sogenannten „Diesel-Dilemma“ zusammen, das im Buch „Diesel-Schäden. Wie Sie sich zur Wehr setzten können“ von Peter Kolba und mir (MyMorawa) ab Seite 31 genau beschrieben ist. Das Grund-Problem:  Wird der CO2 Ausstoß im Motor-Zylinder gesenkt, entsteht unweigerlich mehr Stickstoffoxid (NOX).

Dipl.-Ing Lichtblau formuliert es so: „Um Treibhausgas Co2 zu sparen, hat die Autoindustrie bei Diesel auf den sogenannten Magerbetrieb gesetzt. Dabei wird im Zylinder die Dichte erhöht. Damit steigt die Verbrennungstemperatur und die Stickoxid-Produktion.“ Dieses Diesel-Dilemma ist durchaus lösbar, wenn anschließend spezielle Abgasnachbehandlungssysteme installiert sind, welche die Stickoxid-Emissionen wieder senken. „Das klappt aber nur, wenn die installierten Abgasnachbehandlungssysteme auch richtig funktionieren. Dann ginge das Spiel –  weniger CO2 und weniger NOX – auch auf.“

Der Sündenfall passierte schon bei Einführung der Grenzwerte für die Abgasnorm Euro 5, erinnert sich der Umweltexperte: “Damals sagten einige  Premium-Hersteller, darunter Mercedes und BMW, dass  diese strengeren Grenzwerte ohne SCR Systeme nicht zu schaffen sind. Andere Hersteller wie VW kündigten an ohne aufwändigere Systeme auskommen. Nur bei den größeren Fahrzeugen sei ein eigener SCR- Speichercat nötig. Damit kamen alle anderen unter Zugzwang, die sich fragten, wie das zu schaffen sei.“

Unglaublich für alle war mit Platzen des Dieselskandals , dass die Konzerne soweit gingen, in die Autos SCR-Katalysatoren und AdBlue-Tanks  einzubauen und sie so dann so zu adjustieren, dass sie nur unter bestimmten Bedingungen funktionieren. Lichtblau: „Das hat  auch die Fachwelt von den Socken gehaut“

Wer in Österreich also nachhaltig und effizient die Stickoxid-Emissionen aus dem Verkehr senken will, kommt an den Euro-5-Diesel-Pkw nicht vorbei. Denn alle rund 900.000 Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 produzieren mehr als die Hälfte aller Stickstoffoxid-Emissionen aus dem Verkehr, genau 18.500 von 35.100 Tonnen Stickoxid. In Summe produzieren also Euro-5-Diesler in Österreich die größte Abgaswolke.

Hier der Überblick über die NOX-Emissionen der Diesel-Pkw in Österreich, gestaffelt nach Abgasnorm. Quelle:  Umweltbundesamt 2016 (aktuellere Zahlen gibt es nicht).

 

Abgasnorm                        Zulassung                           Stickoxidausstoß im Schnitt mg/km    Grenzwert

Euro 2                                 1997-2000                                        818                                                    0

Euro 3                                 2001-2005                                        859                                                     500

Euro 4                                 2006-2010                                        642                                                    250

Euro 5                                 2011-2015                                        848                                                    180

Euro 6                                 2016-2018 (Sept)                            454                                                      80

Euro 6d-temp                   2018 (Sept)                                       168 real                                               80

 

Wie kommen diese Stickoxid-Werte zustande?

Es gibt ein ausgeklügeltes Grundmodell eines europäischen Messverbundes, das  ganze Kennfeld wiederspiegelt, nicht nur jenes beim Zulassungstest. Dabei wurde nicht nur im realitätsfremden NEFZ vermessen, sondern auch realitätsnähere Tests durchgeführt, die dann anhand ausreichend großer Fahrzeuge in verschiedensten Zuständen vermessen wurden. Sondersituationen wie starke Steigungen mit einem Anhänger oder defekte Autos werden dabei ausgeklammert. Daraus entsteht das „Handbuch Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs“ (HBEFA)

Dieses Modell wird auf die spezifischen Länder zugeschnitten. Berücksichtigt werden dabei laut Lichtblau:

Flottenvermessung: Dieselanteil eines Landes z.B.

Fahrzeuggröße, z.B. gibt es in Deutschland größere Fahrzeuge als in Frankreich

Geographie: in Österreich gibt es mehr alpine Strecken als in den Niederlanden

Straßen-Mix: Anteil Autobahnen, Landstraßen und Städten

Umgebungstemperaturen:  sind in Italien höher als in Norwegen

Das ist ein Blog von Lydia Ninz. Er steht für Mobilität und Wirtschaft. VW: Noch ist es nicht zu spät

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