VW: Nachrüsten was sonst?

| 27.09.2018 | Wirtschaft

Was heißt Nachrüstung genau? Bei der „Nachrüstung“ geht es stets manipulierte Dieselautos der Abgasnorm Euro 5, die zwischen 2010 und 2015 verkauft wurden. Sie haben zur Senkung gesundheitsgefährdender Stickstoffoxide eine simple Abgasrückführung (AGR) eingebaut. Diese liegt direkt neben den Motorzylinder. Im AGR wird das dreckige Gemisch, das aus dem Zylinder kommt, abgekühlt und in den Motorzylinder zurückgeschickt. Dieses AGR- System ist primitiv, senkt die Abgase niemals komplett und führt in manchen Situationen (wenn Motor und Außentemperatur kalt sind) dazu, dass sich die Ventile verkleben werden und der Motor Schaden nimmt.

Beim Software- Update hat die deutsche Behörde zugelassen, dass dieses AGR-System immer  nur dann aktiviert wird, wenn es draußen warm ist, bei Außentemperaturen zwischen plus 15 und plus 33 Grad. Ist es kälter oder wärmer, wir die AGR komplett und systematisch weggeschaltet. In kalten Jahreszeiten findet hier also die Abgassenkung n i c h t statt, auch nach dem Update nicht. Das findet mit behördlichem Sanktus statt und ist ein Skandal im Skandal! Es führt dazu, dass das Update gar keine wesentliche Senkung des Abgases Stickstoffoxid bringen kann.

Wenn das Auto vorher 900 Milligramm Stickstoffoxid pro Kilometer ausgestoßen hat, sind es nachher noch immer 600 mg, also viel zu viel und das 3,3 fache des Grenzwertes von 180 Milligramm, der für Euro 5 Fahrzeuge fixiert wurde! Damit drohen auch den upgedateten Fahrzeugen Fahrverbote in Deutschland.

Bei der „Nachrüstung“ geht es darum, in diese Autos der Abgasnorm Euro 5 nachträglich eine viel bessere, aber auch aufwändigere Abgasreinigung einzubauen. Es handelt sich um das „AdBlue“-System, das in Autos der Abgasnorm Euro 6 schon eingebaut sind, die seit 2015 verkauft werden.  Dieses effiziente Abgasreinigungssystem wird vor dem Auspuff eingebaut. Dabei wird aus einem eigenen Tank eine Harnstofflösung („AdBlue“) in den SCR-Katalysator gespritzt.  Dort kommt es zu einer chemischen Reaktion, die dazu führt, dass sich Stickstoffoxid in seine harmlosen Bestandteile auflöst und die Autos nur mehr sehr wenig Stickstoffoxid ausstoßen. Damit dieses System funktioniert, muss ausreichend viel Harnstoff zugespritzt werden und im SCR-Katalysator Backofentemperatur herrschen (sonst findet dieser chemische Prozess nicht statt und damit keine Abgasreinigung!).

Um Tank und Katalysator nachträglich in Euro 5 Autos einzubauen, braucht es genug Platz. Nun ist es in der Autoindustrie üblich, dass solche Vorrichtungen zwar vorgesehen sind, aber nicht sofort (oder nur auf Auswahl) eingebaut werden. Daher gibt es genug Euro 5 Autos, in denen so eine „Nachrüstung“ von Haus aus vorgesehen ist, aber noch nicht eingebaut ist. Wahrscheinlich haben diese Vorrichtungen schon viele Autos, die seit 2012 verkauft wurden.

VW hat die Existenz originärer Nachrüstungen zuerst abgestritten, dann aber nach Recherchen des deutschen Automobilclubs ADAC zugeben müssen, dass es solche herstellereigenen Nachrüstungen sehr wohl gibt. Verschiedene Tests der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigen, dass solche Nachrüstung sehr effizient sind und den Stickstoffoxid-Ausstoß massiv senken: bei einem Passat rasselten sie von 900 auf  90 Milligramm pro Kilometer sinkt hinunter!

Doch die Autobauer sträubten sich weiterhin mit aller Kraft gegen eine Nachrüstungslösung. Jetzt argumentieren sie mit angeblich exorbitant hohen Kosten der Nachrüstung bis zu 11.000 Euro! Nur um abschreckende Wirkung zu erzeugen. Dabei gibt es ernstzunehmende Sachverständigen-Gutachten, die von der deutschen Regierung in Auftrag gegeben worden sind. So kommt das sog. „Wachtmeister-Gutachten“ auf Kosten zwischen 1.200 bis 2.000 Euro.  (Alles genau nachzulesen im Buch).

Klarerweise ist ein reines Aufspielen einer neuen Software eine viel günstigere Lösung für die Hersteller, die zuvor manipuliert haben: Ein Software-Update ist viel billiger für die Hersteller: kostet zwischen 70 und 200 Euro!

Noch ein Wort zu „AdBlue“: Hier haben deutsche Hersteller die Dosierung der Harnstoffeinspritzung künstlich gedrosselt, sodass dieses an und für sich effizientes System in der Praxis seine abgassenkende Funktion nicht voll ausspielen konnte und die Autos dreckiger unterwegs sind als sie könnten! Grund: Sie hatten zu kleine AdBlue-Tanks eingebaut, um Kosten und Platz zu sparen und wollten auch nicht, dass die Kunden zu oft „AdBlue“ nachtanken müssen.  Deshalb laufen jetzt ja Erhebungen wegen illegaler Kartellabsprachen auf EU-Ebene.  Deshalb haben deutsche Hersteller versprochen, in Deutschland bis Jahresende 2018 mit Hilfe freiwilliger Updates 2,8 Dieselfahrzeuge freiwillig zurück zu rufen und die Harnstoffeinspritzung zu optimieren.

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