VW: Dieselprivileg ist relativ

| 12.01.2018 | Wirtschaft

Warum, wenn Tanken mit Diesel auch für Private stets günstiger ist als mit Benzin? Die Antwort ist einfach: für einen Diesel-Pkw muss man beim Kauf meist einige Tausend Euro mehr hinblättern als für einen gleich konfigurierten Benzin-Pkw. Selbst wenn man für den dieselbetriebenen Pkw weniger Normverbrauchsabgabe (NoVA) zahlen muss als für den benzinbetriebenen, kostet der Diesler in der Anschaffung mehr als der Benziner.

Bis diese Mehrkosten beim Kauf durch günstiges Tanken wieder hereingespielt werden können, vergehen oft Jahre. Je weniger man fährt, desto länger dauert es, bis das „Dieselprivileg“ überhaupt greift.

Dazu ein paar aktuelle Beispiele (gerechnet zu aktuellen Autopreisen, durchschnittlichen Treibstoffkosten 1,33 Euro für Benzin, 1.18 Eur für Diesel und 13.500 km durchschnittlicher Fahrleistung):

Bei einem Polo („beats“, 70 kW) muss man über 56.000 Kilometer abspulen, bis das „Dieselprivileg“ beginnt. Dafür brauchen durchschnittliche Fahrerinnen und Fahrer über vier Jahre!  Erst ab dem fünften Jahr rentiert sich der günstigere Treibstoffpreis für Diesel.

Beim neuen Tiguan („Comfortline“, 110 kW) dauert es gar zehneinhalb Jahre oder 143.000 gefahrene Kilometer, bis man als Otto oder Liesl Normalverbraucher/in das „Dieselprivileg“ überhaupt knacken kann.

Beim neuen Golf („Comfortlinie“,110 kW) sind es 7 Jahre oder 92.000 Kilometer, bis man mit Diesel besser aussteigt als mit Benziner.

Für Firmen und Vielfahrer schaut diese Rechnung ganz anders aus. Firmenvertreter, die jeden Tag  Hunderte Kilometer fahren,  erreichen viel früher den Punkt,  ab dem sich der günstigere Dieseltreibstoff auszahlt.  Hinzu kommt, dass Unternehmen und  Selbstständige ihre beruflich  (und nicht privat) veranlassten Autokäufe und Fahrten als “Ausgaben”  abziehen und so die Basis für ihre Steuerzahlungen verkleinern können. Zudem können sie sich (zumindest teilweise) die Mehrwertsteuer  vom Staat zurückholen, während sie die Privaten voll schlucken müssen.

Für Firmen und berufliche Vielfahrer schaut das “Dieselprivileg” in Österreich also ganz anders aus als für Privatleute, die es oft gar nicht ausnützen können, weil sie das Auto schon wieder verkauft haben oder im ganzen Autoleben nie auf die nötigen Kilometer kommen. Würde das “Dieselprivileg”  abgeschafft, würde es “die Wirtschaft” viel härter treffen als die Privatpersonen.

Die schwarz-blaue Regierung hat mit ihren bisherigen Ankündigungen und Taten schon deutlich signalisiert, wie wichtig ihr die Interessen der Unternehmen sind.:  so bleibt der Jobbonus für Firmen bis Ende Jänner, während die Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose und gemeinnützige Vereine sofort abgeschafft wurde. Wirte brauchen kein absolutes Rauchverbot mehr zu befürchten und dürfen die geplante Senkung der Umsatzsteuer auf Nächtigungen in aller Diskretion selbst  einstreifen.

Sollte Deutschland dem Ruf des VW Chefs folgen – was ja nicht ausgeschlossen ist – und die Mineralölsteuern auf Diesel erhöhen, wäre Österreichs Finanzminister obendrein der lachende Gewinner. Aber das ist wieder eine andere Geschichte

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