VW: Wahltag ist Zahltag

| 24.09.2017 | Wirtschaft

Kein Privatkunde bestellt beim Autohandel derzeit einen neuen Diesel-Pkw, geschweige denn einen Gebrauchten, berichten diese Händler. Insgesamt sollen derzeit mindestens 37.000 Diesel-Pkw der Abgasklasse Euro 5 bei heimischen Händlern auf Halde stehen – praktisch unverkäuflich. Der ÖAMTC, der immerhin beim zweiten Dieselgipfel dabei sein darf, spricht von einem drohenden Wertverlust von 10 Mrd. Euro für alle Pkw mit Verbrennungsmotor (nicht nur Diesel), falls die Zulassung von Verbrennungsmotoren 2030 in Österreich verboten werden sollten.

Das Schlamassel mit den sinkenden Preisen für Diesel-Pkw der Euro-Klasse 5 hat der erste Dieselgipfel verursacht. Dabei wurden ja Herstellerprämien für ältere Diesel-Pkw angekündigt (der  Abgasklasse Euro 1, 2,3,4), wenn diese verschrottet werden und ein ganz neues Fahrzeug der Abgasklasse 6 gekauft wird. Damit wird es verlockend, sich ein neues Auto zu kaufen statt eines Gebrauchten. Nicht nur das schwächt den Gebrauchtwagenmarkt, der in Österreich fast dreimal so groß ist als der Neuwagenmarkt.

Unter die Räder geraten damit alle 873.000 Diesel-Pkw der Abgasklasse Euro 5, für die es keine Eintausch- oder sonstigen Prämien gibt. Besonders stark ist der Preisverfall für alle 394.000 manipulierten Diesel-Pkw aus dem VW-Konzern, wie meinem VW Tiguan und dem eingangs erwähnten Audi A4. Selbst wer diese Autos zum Update fährt, weiß nachher nicht, um wieviel sich der Stickoxid-Ausstoß verringert. Derzeit stoßen solche Autos zwischen 720 und 900 Milligramm Stickstoff auf der Straße aus, damit weitaus mehr als die neueren und viel sauberen Euro 6.

Keiner – außer die VW Herren in Wolfsburg und das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt – weiß, um wieviel sich der Stickoxid-Ausstoß durch das Update senkt. Das ist an und für sich schon ein Skandal: schließlich geht es seit zwei Jahren genau um dieses gesundheitsschädigende Abgas, um Stickoxid. Bis heute findet es keine Regierung, kein Umweltminister, kein Wirtschaftsminister und keine Behörde für nötig, uns Betroffene über diese Hauptursache zu informieren! Weder in Deutschland noch in Österreich. Wo bleiben eigentlich die Umweltminister? In Österreich sind sie nicht einmal zum zweiten Dieselgipfel geladen, wie der ÖAMTC zu Recht kritisiert!

Selbst wenn die Stickoxid-Emissionen durch das Update um  10% zurückgehen sollte, wie der ADAC vermutet, bliebe der Stickoxidausstoß eines manipuliertgen Euro 5 Diesel-Pkw mit 650 bis 810 Milligramm noch immer weit höher als bei den ganz neuen Autos der Abgasklasse Euro 6 d temp mit maximal 167 Milligramm!  Mit einen so hohen Stickoxid-Ausstoß auf der Straße ist das Risiko groß, dass selbst diese upgedateten Autos künftig nicht mehr in die Stadtzentren fahren dürfen.

Die einzige Möglichkeit, Gesundheit, Gebrauchtwagenpreise und Konsumentenrechte zu retten ist eine nachträgliche Hardware-Nachrüstung der Euro 5 Diesel-Pkw. Für viele sind solche Nachrüstungen in den Lagern der Hersteller vorrätig. Bei vielen Autos – wie bei Massenautos wie dem Passat, Audi A4, Audi A8 oder beim Tiguan – macht es absolut Sinn, eine komplette Abgasreinigung nachträglich einzubauen und damit die Stickoxid-Emissionen nachhaltig zu senken! Das wollen die Hersteller aber nicht zahlen.  So eine Umrüstung kostet zwischen 1190 und 1.500 Euro , wobei die Einbaukosten noch dazukommen.

Daher fordere ich  alle wahlkämpfenden Parteien und speziell die Regierung in aller Deutlichkeit auf:

„Hersteller, die betrogen haben, sind aufgefordert, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Ich fordere speziell den Verkehrsminister Jörg Leichtfried auf, von den deutschen Behörden Auskunft darüber einzuholen, was beim Update an Stickoxid-Reduktionen passiert. Aufzuklären ist insbesondere der begründete Verdacht (Video Poduschka) , dass die deutsche Behörde es VW erlaubt hat, mit einem billigen Software-Update “light” davonzukommen (also eine Thermofenster zwischen 15 und 33 Grad Außentemperatur einzubauen).  Österreich muss alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um Hardware-Nachrüstungen als Verbesserungsmaßnahme durchzusetzten.“

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