VW: Ultimativ nachbessern

| 18.09.2017 | Wirtschaft

Um es zu verdeutlichen: Mein  VW Tiguan weist im Typenschein 120 Milligramm Stickoxid-Emissionen pro Kilometer (genau: 119,8 mg/km) auf. Das ist ein Drittel weniger als der gesetzliche Grenzwert von 180 mg/km für diese Abgasklasse Euro 5 vorsieht. VW hat mir nach langem Drängen mitgeteilt, dass mein Fahrzeug auf der Straße bis zu 720 mg/km ausstößt. Bei ähnlichen Tiguan-Modellen waren es sogar 900 mg/km.

Beim Update wird beim Tiguan nachweislich (Video mit Michael Poduschka) ein Thermofenster eingebaut, ganz legal und von der deutschen Behörde gestattet. Nur bei Außentemperaturen zwischen 15 und 33 Grad funktioniert die Säuberung der Stickoxid-Emissionen. In unseren Breitengraden bedeutet dies, dass eine optimale Säuberung dieser Abgas-Emissionen nur drei Monate im Jahr möglich ist.

Im Klartext: Nach dem Update wird mein Tiguan immer noch 480 bis 600 mg/km  an Stickoxiden ausstoßen! Damit ist er bei weiten „dreckiger“ als die neuesten Diesel-Autos der Abgasklasse Euro 6d, die (bei einer Typisierung ab September 2017) auf der Straße nur mehr maximal 167 mg/km Stickoxid ausstoßen dürfen.

Damit nicht genug, ist mein Tiguan nach dem Update noch immer viel „dreckiger“ sein als die bisherigen Euro 6 Pkw. Denn diese haben von vornherein kein so primitives Abgasrückführungs-System (AGR) eingebaut (wie Euro 5 Fahrzeuge), sondern ein echtes, dreiteiliges Abgasreinigungssystem, inklusive der oft zitierten Harnstoff-Tanks. Da auch bei diesen völlig modernen Euro 6 Fahrzeugen aus Marketinggründen zu wenig Harnstoff zugeführt wurde, sodass auch hier das eigentliche gute Reinigungssystem nicht optimal funktionieren kann, wurden die Hersteller zu einem freiwilligen Rückruf ab nächstem Jahr vergattert mit dem Ziel, die Stickoxid-Emissionen um 25 bis 30 Prozent zu senken.

Fazit: Während alle Euro 6 Fahrzeuge echt viel sauberer werden  (gut so!) und alle Euro 1, 2, 3 und 4 Fahrzeuge neuerdings beim Kauf eines neuen Euro 6 Fahrzeuges gegen eine Prämie verschrottet werden können,  gibt es für manipulierte Euro 5 Fahrzeuge bisher keine ernsthafte Lösung für eine Verbesserung der NOX-Emissionen. So unglaublich es klingt, es gibt nicht einmal ganz offizielle Informationen oder gar eine Zielvorgabe darüber, um wieviel sich der Stickoxid-Ausstoß durch das Update senken soll!

Diese Fahrzeuge zwischen 2 und 7 Jahre alt und damit noch sehr lang  brauchbar sind, riskiert man mit ihnen, künftig wegen zu hoher Abgase aus den Städten ausgeschlossen zu werden. Nur logisch, dass die Gebrauchtwagenpreise für diese Autos sinken werden, auch zum Verdruss des Gebrauchtwagenhandels.

Die einzige Lösung ist: dort, wo es technisch Sinn macht, auch bei diesen Euro 5 Fahrzeugen nachträglich ein dreiteiliges Abgasreinigungssystem einzubauen, so wie es die Euro 6 Fahrzeuge schon haben. Bei einem VW Passat hat ein ADAC Test gezeigt, dass eine nachhaltige Senkung des NOX-Ausstoßes um stolze 90 Prozent möglich war. Auf meinen Tiguan bezogen: Statt 720 bis 900 mg/km würde er auf der Straße nur mehr 72 bis 90 mg/km ausstoßen. Und wäre damit mindestens so sauber wie die neusten Euro 6d Pkw!

So ein Umbau kostet mit 2.500 Euro mehr als ein bloßes Software-Update für 100 Euro. Letztlich käme diese Investition aber auch dem Autohandel und dem Reparaturgeschäft zu gute.

Please like & share:

Tags:

Seiten: 1 2

Beitrag kommentieren