Dieselgipfel: Aufgefettet wird der Staat

| 23.08.2017 | Wirtschaft

Anders als in Deutschland kassiert in Österreich der Staat jedes Mal, wenn ein neues Auto gekauft bzw. neu zugelassen wird. Gut 3.000 Euro kann diese „Normverbrauchsabgabe“ (NoVA) bei einem Mittelklassewagen  ausmachen. Je mehr Neufahrzeuge zugelassen werden, desto „fettere“ Einnahmen für den Finanzminister.

Soweit bisher bekannt, gibt es die Umstiegsprämie (z.B. bei BMW) ja nur, wenn für ein mindestens sieben Jahre altes Auto (Euro 4 und älter) beim Händler ein anderes gekauft wird, wobei gilt: je neuer das Auto, desto höher die Prämie. Wobei zu berücksichtigen ist, dass diese Prämie keine reines Geschenk ist, sondern dass die Händler dafür auch einen Gegenwert bekommen (sie können die Autos mit kostbaren Innereien ausbandeln).

Da die Prämien nur bis Jahresende laufen sollen, werden wohl primär Euro 6 Fahrzeuge verkauft, die auf Halde stehen und die laut diversen Straßentests mitunter ein Vielfaches an Stickoxiden (NOX) emittieren als ihr Grenzwert erlaubt. Diese Zeit reicht nicht, sich bis dahin die „sauberste“ Generation von Euro 6 Dieslern zuzulegen (Euro 6d.temp), bei der die NOX-Emissionen erstmals auch im Straßenbetrieb eingegrenzt werden, aber  erst ab September typisiert werden. Auch die Bestellung von E-Autos hält sich in Grenzen, da sie noch nicht massenweise zur Verfügung stehen.

Die zentrale Frage ist: Wer stellt auf welche Weise sicher, dass die neuen Prämien die alten Rabatte auffressen. Treuherzige „Sager“ der Autoimporteure sind zu wenig!

Durch die Finger schauen jedenfalls alle, die ihr altes Fahrzeug verschrotten und sich überhaupt keines mehr zulegen wollen. Denn eine Stilllegungsprämie, die der Staat zahlen müsste, gibt es ja nicht.

Fast alle Fragen rund um manipulierte Autos sind im Gipfel-Nebel geblieben:

* Von 600.000 Autos mit Updates ist die Rede: davon entfallen aber zwei Drittel ( 394.000)  auf bereits zurückgerufenen Fahrzeuge des VW-Konzerns (Audi, Skoda, Seat, VW). Fürs freiwillige zusätzliche Update bleiben somit “nur” 200.000 Autos übrig.

* Völlig ungeklärt: Was passiert, wenn man nicht zum Update fährt, zum gesetzlich vorgeschriebenen oder zum freiwilligen?

* Völlig offen: Wird endlich offengelegt, was genau bei den Updates in passiert oder die Geheimniskrämerei fortgesetzt?

* Wer kontrolliert die behauptete Einsparung von 25-30% der Stickoxid-Emissionen durch das Update? Ernstzunehmende Techniker (ADAC, ÖAMTC, Umwelthilfe) bezweifeln das aufgrund durchgeführter Straßentests. Ein Test-Tiguan stieß nach dem Update im Stadtverkehr sogar mehr Stickoxid aus als vorher.

* 13 Automarken waren beim Gipfel, die laut Importeurs-Sprecher 80 Prozent des Marktes abdecken. Was ist mit den andern 20 Prozent? Allen voran mit Mazda, Fiat, Citroen-Peugeot, Mazda, Nissan, Subaru, Suzuki, Volvo usw?

* Anreize für das Update: Gutscheine wofür? In welchem Wert oder sind es nur Fahrscheine? Bekommen Gutscheine alle 600.000, auch die 280.000 VW-Fahrzeughalter, die bereits in der Werkstatt gewesen sind?

* Garantien danach: Wie hieb- und stichfest sind sie? Wer muss was nachweisen, wenn der Motor nach dem Update „spinnt“?

* Die neuen Software-Updates als Sofortpaket zu verkaufen, ist eine Nebelgranate, weil sie ja erst im Frühjahr 2018 starten sollen. Wenn die Umsetzung dann wieder so lange dauert wie bei VW, vergehen noch Jahre, die Unsicherheit wächst.

Nicht einmal im Ansatz thematisiert wurde beim Gipfel, ob die auslaufenden Verjährungsfristen zu Gunsten von VW Opfern weiter gestreckt werden und wann es mit den echten Gruppenklagen soweit ist.

Ratlos zurück bleiben nicht nur die zahlenden Kunden, sondern auch die tüchtigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Autohäusern, die bisher tapfer und erfolgreich versucht haben, ihre Produkte auch in Krisenzeiten an den Mann und an die Frau zu bekommen.

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