Dieselgipfel: Legale Tricks beim Update?

| 20.08.2017 | Wirtschaft

Als Besitzerin eines manipulierten Tiguan interessiert mich das Ergebnis eines Gerichtsgutachtens über einen Tiguan brennend, aus dem der Kurier zitiert. Demnach funktioniert die Abgasrückführung beim untersuchten Tiguan nach dem Update nur bei Außentemperaturen zwischen 15 und 33 Grad. Wenn auf diese Weise die Abgasrückführung ein halbes Jahr oder noch mehr ausgeschaltet bleibt, können sich durch das Update logischerweise keine großen NOX-Einsparungen ergeben! (Auf  genau das gleiche Thermofenster weisen die Unterlagen zum Film des ZDF-Geheimakte VW beim Audi A4 hin , das ebenfalls vom KBA freigegeben wurde)

Die Existenz eines Thermofenster würde auch erklären, warum beim Vorher-Nachher-Test von ADAC/ÖAMTC bei einem Test-Tiguan nachher mehr NOX-Emissionen festgestellt wurden als vorher. Jetzt begreife ich auch langsam, warum sich VW dermaßen weigert, mir das Ausmaß von  NOX-Einsparungen durch das Update zu nennen bzw. gar zu garantieren! Es erklärt auch, warum beim deutschen Dieselgipfel die Einsparungen durch Updates nur mit mageren 25 bis 30 % beziffert wurden. (Es ist wirklich nicht viel, wenn Autos, die momentan bis zu 900 Milligramm pro Kilometer Stickoxid ausstoßen,  nach einer Reduktion um 30 Prozent noch immer auf satte 630 Milligramm pro Kilometer kommen, auf das Vierfache des Grenzwertes)

Aus den Gesprächen mit Technikern ist mir klar, warum VW diese Thermofenster bei Euro 5 Fahrzeugen eng halten will. Das eingebaute Abgasrückführungssystem (AGR) stößt technisch  schlichtweg auf Grenzen. Wird es öfter eingeschaltet, kann es beim Stop-and-go Verkehr in der Stadt oder bei der Ampel zu Problemen kommen, die Ventile können sich rascher verstopfen, das Kühlsystem angegriffen oder sogar der Motor ruiniert werden. Die Zeche hätten letztlich wieder die Opfer zu zahlen, wenn der Motor plötzlich stottert oder teure Bestandteile des Motors früher erneuert werden müssen.

Umso mehr erwarte ich vom Austria- Dieselgipfel, dass ich nicht mit einem billigen Software-Update abgespeist werde,  das der Umwelt nicht viel bringt und womöglich Probleme verursacht. Vielmehr soll auf Kosten von VW eine Umrüstung der Hardware angeboten werden, mit einer nennenswerten NOX-Einsparung.

Dass es bei manchen Autos der Abgasklasse 5 grundsätzlich möglich ist, auch nachträglich ein richtiges Reinigungssystem einzubauen (samt SCR-Kat, Harnstofftank usw.) und damit eine bis zu 90 prozentige Reduktion des NOX-Ausstoßes zu erreichen, zeigt ein aktueller Test des ADAC.  Der ADAC fordert verbindliche Nachrüstungen und massive Einsparungen bei NOX-Emissionen auch bei nicht-deutschen Autoherstellern, deren Emissionen weit höher sind als bei deutschen Herstellern.

Natürlich wäre vorher penibel zu prüfen, ob der nachträgliche Einbau eines Abgasreinigungssystems bei meinem Tiguan Sinn macht und die Voraussetzungen dafür vorliegen (genug Platz? Integration ins Motormanagement). Es liegt an der Politik,  VW in diesem Punkt eine ernsthafte Lösung abzuringen, bis zur Rücknahme der Fahrzeuge, wenn ein Umbau nicht klappt.  Bisher hat der Konzern solche Umrüstungen ja in Bausch und Bogen abgelehnt. Immerhin kosten sie mindestens 2.500 Euro pro Fahrzeug, während sie beim reinen Software-Update mit  60 Euro davonkommen.

In die Pflicht nehmen sollte Österreichs Regierung jedenfalls auch die deutsche Behörde. Offensichtlich hat das KBA bei der Freigabe des Updates im Juni 2016 diese Thermofenster auch ganz legal abgesegnet und als zulässige Abschalteinrichtung eingestuft. Fast zur selben Zeit, im April 2016, hat dasselbe KBA anderen Autoherstellern wie Mercedes, Opel, Fiat, Renault usw. den Einbau solcher Thermofenster vorgeworfen(siehe Untersuchungsbericht vom 22. April 2016)  und die deutschen Hersteller zu freiwilligen Rückrufen gezwungen. Möglicherweise haben wir es hier mit einem neuen Skandal, der die Position Österreichs gegenüber Deutschland stärken könnte?

Zu recht kritisiert Peter Kolba von der Liste Pilz, dass beim Austro-Dieselgipfel die Vertreter der Kunden und der Umwelt ausgesperrt bleiben. Und man Umwelt-, Finanz- und Justizminister weiterhin in den Urlaub abtauchen lässt.

 

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