Abgasskandal: Umwelt hat Nachrang

| 27.02.2017 | Wirtschaft

Während der nicht gerade autoindustriefeindliche deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt immerhin die Öffentlichkeit darüber informiert hat, dass 150.000 Autos der deutschen Hersteller Mercedes/Daimler, Opel und VW in Deutschland freiwillig zurückgerufen werden, um die sogenannten „Thermofenster“ zu schließen, hat der Österreichische Verkehrsminister nicht einmal eine Ahnung, wieviel Fahrzeuge in Österreich betroffen sind, geschweige denn zurückgerufen werden.

Auf meine Frage, wieviel Fahrzeuge in Österreich aus diesem Grund zurückgerufen werden, antwortete das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) wörtlich wie folgt: „Da es sich um freiwillige Serviceaktionen der Hersteller handelt, liegen uns derzeit keine Informationen hinsichtlich der Anzahl potenziell betroffener Fahrzeuge in Österreich vor.“ Schmecks, lieber Konsument, liebe Konsumentin.

Dabei wäre ein rasches Schließen unerlaubter „Thermofenster“ nicht nur im Interesse der Autokäufer, sondern auch ein sofort wirksames Umweltprogramm. Ohne solche „Thermofenster“ wird das motor-interne Abgasrückführungssystem (AGR) öfters als bisher eingeschaltet und es würde viel weniger NOX in die Luft geschleudert.

Wie berichtet, hat eine Untersuchung der deutschen Behörde „Kraftfahrt-Bundesamt“ (KBA) bereits im April vorigen Jahres aufgedeckt, dass 22 von 53 gängigen Autos das AGR-System im Straßenbetrieb öfters ganz oder teilweise abschalten, entweder nach einer gewissen Zeit, ab einer gewissen Außentemperatur, ab einer bestimmten Geschwindigkeit oder ab einer gewissen Meereshöhe.

Die Hersteller beriefen sich dabei auf eine umstrittene Gesetzesformulierung, die zum Schutz von Motoren-Bauteilen ein zeitweises Ausschalten der AGR zulässt („Thermofenster“) und die inzwischen abgeändert wurde.  Nach Gesprächen mit den deutschen Herstellern haben diese eingewilligt, in ganz Europa 630.000 Autos freiwillig zurückzurufen, davon 150.000 in Deutschland, um diese Thermofenster zu schließen.

Da es höchst unwahrscheinlich ist, dass in Österreich von diesen freiwilligen Serviceaktionen kein einziges Auto betroffen ist und ich nicht glauben kann, dass sich keine Institution für diese Umweltreparatur und für die betroffenen Autokäufer interessiert, werde ich wohl weiter bohren müssen. Wo bleibt hier der Umweltminister? Wo die Grünen? Wo die Interessensvertretungen für Autokäufer und Autokäuferinnen? Und wo der Konsumentenschutzminister?

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