VW Skandal: Zwischenbilanz

| 15.09.2016 | Wirtschaft

Was habe ich gemacht, seit im Oktober 2015 klar wurde, dass auch in meinem Tiguan eine Schummel-Software eingebaut ist, die das Abgas NOX (Stickoxide) auf dem Prüfstand schönt? Da ich weder rechtschutzversichert bin und all meine individuellen Rechte wie Gewährleistung/Garantien erloschen sind, hatte ich mit zivilrechtlichen Klagen keine Chance.

Also habe ich mich den insgesamt drei Initiativen angeschlossen, die der Verein für Konsumenteninformation  (VKI) in Österreich gestartet hat: erstens der VKI Sammelaktion, für die es bisher insgesamt 68.000 Interessenten gibt (davon haben – so wie ich – 28.000 alle Formalitäten erledigt). Zweitens habe ich mich der holländischen Volkswagen Car Claim Stichting angeschlossen, hinter der europaweit mittlerweile 106.000 VW-Fahrzeughalter stehen. Und drittens habe ich mich als Privatbeteiligte einer Strafanzeige angeschlossen, die gegen VW Wolfsburg in Wien bei der Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft eingebracht wurde: 3.331 Personen haben dafür dem VKI – so wie ich –  einen Unkostenbeitrag von 90 Euro überwiesen.

Ziel der ersten zwei Initiativen – Sammelaktion und holländische Stichting – ist es, von VW einen außergerichtlichen Vergleich zu erreichen. Schließlich hat dieser Konzern seine Kunden betrogen und es ist nicht auszuschließen, dass beim Weiterverkaufen der Autos ein geringerer Verkaufspreis erreicht werden kann. Bei der dritten Initiative geht es darum, den Kriminalfall VW vor das Strafgericht zu bringen und im Falle einer Verurteilung auch Schadenersatz zu bekommen.

Wie hoch stehen die Erfolgschancen? Vor einem Jahr hatte ich  tatsächlich noch darauf gehofft, dass VW auch seinen Kunden in Europa entgegenkommt, die rechtlich eindeutig schlechtere Karten in der Hand haben als die amerikanischen. Doch diese Hoffnungen wurden von VW-Chef Müller bitter enttäuscht. VW denkt nicht daran, freiwillig ein Zeichen zu setzten, um verlorenes Kundenvertrauen wieder zu gewinnen.

In diesem ersten Jahr seit Auffliegen der Manipulationen ist ein  Verhaltens-Muster klar erkennbar: VW mauert solange, bis es nicht mehr geht. In den USA führte der Konzern die Behörden jahrelang hinters Licht, wie hochrangige VW Mitarbeiter nun als Kronzeugen zugeben. Bis zuletzt leugnete man Manipulationen bei den 3 Liter Fahrzeugen in den USA, bis man sie dann doch zugeben musste. Kein Wunder, wenn die amerikanischen Umweltbehörden nun mit aller Schärfe gegen den Wolfsburger Weltkonzern vorgehen und ihm in einem ersten Schritt Zahlungen von über 15 Milliarden Dollar abverlangten.

Aus den USA kommt auch ein Hoffnungsschimmer für uns Konsumenten in Europa: das dort aufgetauchte Ermittlungsmaterial kann uns helfen – vor allem bei den strafrechtlichen Verfahren! Die gute Nachricht: die drei Initiativen des VKI stehen alle noch offen!

Abgesehen von diesen rechtlichen Schritten, habe ich von VW nach einigen Anläufen erfahren, dass mein Tiguan-Modell auf der Straße drei bis viermal soviel NOX ausstößt als der Grenzwert (180 mg/km) ausmacht, also zwischen 540 und 720 mg/km. Nach dem Rückruf sollen die NOX-Werte auf der Straße um 40 % sinken, versprach mir VW in einer Telefonkonferenz.

Nach wie vor bin ich bereit, meinen Tiguan zum Update in eine VW-Werkstatt zu bringen. Allerdings möchte ich vorher eine schriftliche Garantie von VW, dass die NOX-Werte danach tatsächlich um 40% sinken und sich beim Verbrauch, beim CO2 Ausstoß und bei der Motorleistung nichts ändert. Diese Werte müssen ja ohnehin vorliegen, weil das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) das Update für mein Tiguan-Modell nach ausführlichen technischen Prüfungen ja freigeben hat!

Selbst das in der VW Causa sehr zurückhaltend agierende österreichische Verkehrsministerium zeigt Verständnis für so eine Garantie. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum VW diese wesentliche Senkung der NOX-Emissionen nicht aktiv kommuniziert. Schließlich wäre das ein gutes Motiv, den Rückruf rasch durchführen zu lassen und für die Umwelt schlagartig  Verbesserungen zu erreichen.

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