VW Skandal: Garantie ist notwendig

| 26.08.2016 | Wirtschaft

Vier Gründe sind es, warum ich mich gezwungen sehe, diese Garantie von VW schriftlich einzufordern.

Erstens hat VW jahrelang seine Kunden, die Behörden und die Öffentlichkeit mit dem Einbau der Schummel-Software betrogen. Wer einmal lügt, dem glaubt man eben nicht mehr so leicht.

Zweitens ist die bisherige Informationspolitik von VW gegenüber den europäischen Kunden nicht gerade vertrauensbildend. Nur mit Hartnäckigkeit konnte ich in Erfahrung bringen, um  wieviel mein Auto größenordnungsmäßig auf der Straße den NOX-Grenzwert übertrifft (3 bis 4 Mal, also zwischen 540 und 720 mg/km) und dass sich dieser Ausstoß nach dem Update um 40 Prozent auf 320 bis 430 mg/km senken wird. Auch in den USA hat die VW-Gruppe Gesetzesverstöße immer erst dann zugegeben, wenn es nicht anders ging.  Zum Beispiel wurde die Schummel-Software bei Oberklasse-Fahrzeugen (3 Liter) gegenüber den US-Behörden zuerst bestritten und erst später zugegeben.

Drittens haben mir die VW Techniker in der Telefonkonferenz am 9.8.2016 mitgeteilt, dass die Einhaltung des Grenzwertes bei EUR 5 Fahrzeugen nur bis 100.000 km garantiert wird. Was ist nun mit meinem Tiguan, der jetzt schon 94.000 km auf dem Tacho hat? Heißt das, dass mein Fahrzeug ab 100.000 km so quasi automatisch einen höheren NOX-Ausstoß hat? Diese Frage ist wichtig, um über Verkauf oder Weiterverwendung meines Fahrzeugs zu entscheiden.

Viertens hat die Süddeutsche Zeitung, die im Rechercheverbund mit NDR und WDR in der Berichterstattung über VW und andere Autoskandale sehr nachhaltig informiert, erst vor kurzem darüber berichtet, dass VW seinen deutschen Kunden die Gewährung von Garantien verweigert. Sorry, aber das verstehe ich nun gar nicht: Warum kann VW nicht für etwas nicht auch offiziell gerade stehen, das durch die Freigabe der Behörde (Kraftfahrt-Bundesamt) ohnehin sichergestellt ist? Dass also das Auto nachher nicht mehr CO2 emittiert, nicht mehr Sprit verbraucht und die Motorleistung und der Geräuschpegel unverändert bleiben? Und, wie ich jetzt weiß, nachher auf der Straße bedeutend  weniger NOX ausgestoßen wird.

Auf die Antwort von VW bin ich schon sehr gespannt. Der Rückruf in Österreich läuft eher schleppend: nur 35.000 von 388.000 zurückzurufenden Autos haben das Update schon gemacht. Wenn VW es innerhalb eines vernünftigen Zeit-Rahmens nicht schafft, das Problem wieder gut zu machen, könnten für den Weltkonzern vermutlich weitere Probleme zurollen. Das würde den Klagen, die gegen VW laufen, neuen Auftrieb verschaffen. Derzeit laufen schätzungsweise 80 bis 100 Klagen gegen VW/VW-Händler in Österreich. Der holländischen VW Car Stichting haben sich 81.000 Kunden angeschlossen, davon 26.000 aus Österreich. Bei der VKI Sammelaktion, die ja weiter läuft, haben sich 26.000 VW Kunden fix angemeldet, insgesamt 68.000 sind daran interessiert. Als Privatbeteiligte haben sich 3.200 Personen der Betrugsklage gegen  VW Wolfsburg (Dr. Alexia Stuefer, Rechtsanwaltskanzlei Soyer Kier Stuefer)  gegen Kostenbeteiligung von 90 Euro angeschlossen, darunter auch ich.

 

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