Panama Papers stärken Journalismus

| 17.04.2016 | Wirtschaft

Was immer Staatsanwälte und Gerichte künftig aus diesen Aufdecker-Berichten machen werden, eines steht jetzt schon fest: Gewonnen hat der Journalismus als Ganzer. Mit dieser weltweit konzertierten Aktion ist es dieser Branche gelungen, eine völlig neue, noch nie dagewesene Dimension zu setzten!

Nach Lektüre des Buches „Panama Papers“, das ihre zwei „Vater“ Bastian Obermayer und Frederik Obermaier (Kiepenheuer&Witsch) soeben publiziert haben, drängen sich aus journalistischer Sicht mindestens sechs Pluspunkte auf.

Erstens: Panama Papers sind ein gelungenes Beispiel für Datenjournalismus. IT-Spezialisten haben gemeinsam mit Journalisten die Daten analysiert und ausgewertet. Beide waren unabdingbar notwendig, keine Seite hätte es ohne die andere geschafft. Journalistische Recherche wird durch Computerdaten keineswegs überflüssig, sondern ganz im Gegenteil: Erst angereichert mit Hintergrundwissen ist es überhaupt möglich, die gigantischen Datenmengen auszuwerten, Zusammenhänge auszuleuchten und daraus einzelne „Geschichten“ zu entwickeln.

Zweitens: Das Wissen wurde geteilt. Die zwei Reporter der Süddeutschen haben ihre Daten nicht für sich behalten, sondern mit ihren Kollegen aus dem investigativen Netzwerk „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) weltweit geteilt. Ihnen war klar, dass sie zu zweit nie in der Lage gewesen wären,  aus der gigantischen Fülle der Computer-Daten alle brisanten Geschichten aus den einzelnen Ländern herauszufischen. Also haben sie „ihre“ Daten anderen Reportern zur Verfügung gestellt. Die Gebrüder „Obermayer/ier“, wie sie zeitungsintern genannt werden, haben damit nicht nur für eine optimale Auswertung gesorgt, sondern auch für ihre eigene Sicherheit. Mächtige Gegner hätten also nichts davon, die zwei Reporter auszuschalten, denn die Auswertung der Daten ginge auch ohne sie weltweit weiter!

Drittens: Länderübergreifende Zusammenarbeit der Journalisten und Journalistinnen hat sich bewährt. Globale Herausforderungen erfordern eben globale Arbeitsmethoden. Investigative Journalistinnen und Journalisten anderer Länder konnten die ihnen aus Panama/ Deutschland zugespielten Mails und Verträge im eigenen Land richtig interpretieren und oft auch dort anknüpfen, wo sie bei früheren Recherchen auf eine Mauer gestoßen sind. Sie konnten ihre lokalen und regionalen Netzwerke sowie frühere Geschichten für tiefergehende Recherchen nützen. Interessantes Detail: es reichte nicht, die involvierten Journalistinnen und Journalisten, nur virtuell zu vernetzen, sondern es gab innerhalb dieses intensiven Recherchejahres mindestens zwei reale Meetings. Hier wurde die Basis für eine funktionierende Zusammenarbeit gelegt.

Viertens:  Wichtig für das Gelingen war, dass die Medien ausreichend Ressourcen für das Projekt zur Verfügung stellten, allen voran die Süddeutsche Zeitung. Teure Computer wurden angeschafft (Einzelpreis: 17.500 Euro), um die enorme Datenmenge zu bewältigen. Die zwei Redakteure wurden monatelang von der täglichen Journalistenarbeit frei gestellt und zwei weitere Mitarbeiter extra angeheuert. Abgesehen vom finanziellen Engagement, haben Chefredakteure und der Ressortleiter die Arbeit der zwei Reporter voll unterstützt – obwohl ein Ergebnis von vornherein nicht absehbar gewesen ist. Aus Nichts wird eben Nichts.

Fünftens:  Die geballte Veröffentlichung der ersten Artikel an einem einzigen Tag, hat den Effekt der Aktion enorm gesteigert. Voraussetzung dafür war eine sorgfältig vorbereitete, konzertierte Aktion. Das muss man einmal zustande bringen! Dass 400 Reporter aus 80 Ländern solange dicht halten, obwohl es immer wieder einen Anlass gegeben hätte, mit einer Geschichte vorzeitig raus zu kommen. Chapeau! Hätten sich die einzelnen Artikel auf mehrere Tage oder Wochen aufgeteilt, hätten die „Panama Papers“ keine so große Aufmerksamkeit erzielen können. Zur strategischen Vorbereitung zählen auch begleitenden Maßnahmen, wie etwa die eigene Website der Süddeutschen Zeitung (www.panamapapers.de) samt verständliche Grafiken, das Präsentations-Video der zwei Hauptproponenten und ihr Buch. Auf diese Weise kann man Panama Papers nicht mehr so leicht beiseite wischen!

Sechstens:  Panama Papers ist nicht auf Schnellschüsse ausgerichtet, sondern auf Nachhaltigkeit Die jetzt in einer ersten Welle veröffentlichten Artikel sind nur ein Anfang. Weitere Artikel sind – schon brav recherchiert – in der Pipeline. Weitere Skandale werden auffliegen. Auch jene Medien, die im aktuellen Recherche-Verbund der investigativen Journalisten nicht dabei waren, werden darüber berichten bzw. diese Ergebnisse für eigene, weiterführende Recherchen verwenden.

Staatsanwälte und Justiz wissen nun von der Existenz brisanter Dokumente und werden handeln (müssen). Mit Panama Papers sind nun auch die Politiker in der ganzen Welt bestens darüber informiert, in welchen Dimensionen Steuergelder mit Hilfe von Briefkastenfirmen verschoben werden. Mit Hilfe dieser Konstrukte wird nicht nur kriminelles Schwarzgeld (Drogen, Mafia) weiß gewaschen, sondern ganze Nationen und Kontinente (Afrika) geplündert und Millionen Menschen in die Armut gestoßen. Die ehrlichen Steuerzahler werden aufmerksam beobachten, welche Konsequenzen Justiz und Politik aus den Panama Papers ziehen.

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