VW: Rückruf als Falle?

| 08.02.2016 | Verkehr

Auf die Frage der AUTO-Information, ob die Fahrzeuge, die wegen des Abgasskandals kommen, einem Rund-um-Check unterzogen würden, antwortet Dr. Andreas Offermann, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Seat S.A. wörtlich: „Ja, natürlich. Es wäre grob fahrlässig und dumm, das nicht zu tun.“ Etwas später rechnet er vor: „Es kommen 700.000 Fahrzeuge zu uns in die Werkstatt. Davon ist ziemlich genau die Hälfte älter als 4 Jahre. Ein 4 Jahre altes Auto sieht man sonst normalerweise nicht in der Werkstatt. Das gilt für Seat, Skoda, VW, Auto, Porsche. Die Dinger verschwinden bei irgendwelchen Spezialisten. Aber sie kommen jetzt.“ Dr. Offermann bezieht sich damit auf die Rückrufaktion von Seat in ganz Europa, nicht nur in Österreich.

Anschließend macht Dr. Offermann im Interview mit der AUTO-Information folgende „Milchmädchen-Rechnung“: „Wenn ich es schaffe, nur 1 % davon auf ein neues Auto zu bringen, dann sind das 3.500 Autos. Das ist eine ganze Menge. Wenn ich es schaffe, bei jedem für 100 € – das ist ja gar nichts – neue Brake-Pads oder einen Ölwechsel oder irgendetwas zu verkaufen, sind das 35 Millionen Umsatz. Da kann man was daraus machen“

Dazu muss man wissen: Alle Autokonzerne in Europa sind bemüht, Käufer von Neu- oder Gebrauchtfahrzeugen ein Autoleben lang an der Stange zu halten, sprich in ihre Werkstätten zu lotsen. Verdienen könne man ja nicht mehr beim Verkauf eines Autos, sondern bei Service und Reparatur, heißt es in dieser Branche. Früher war ein Service bei einer Marken-Werkstätte  notwendig, um Vorteile aus Gewährleistungen bzw. Garantien zu kommen. Seit die EU dies unterbunden hat und auch ein Service anerkannt werden muss, das von einer freien Werkstatt  (oft kostengünstiger) durchgeführt wurde, hat sich der Konkurrenzkampf noch weiter verstärkt.

Hinzu kommt der besonders milde Winter im heurigen Jahr, der an den Autos weniger Schaden hinterlassen hat als in harten Winterjahren. Umso wichtiger für das Reparaturgeschäft ist es, die Fahrzeuge zunächst einmal in die Werkstätte zu bekommen. Nach einem „Rund-um-Check“ lässt sich einiges finden und reparieren.

Sollte sich der VW Rückruf bis in den März, April oder Mai hinauszögern, hat VW in Österreich noch bessere Karten. Denn in dieser Zeit werden üblicherweise viele „Pickerl“ fällig, also die gesetzlich vorgesehene periodische Überprüfung nach §57a.  VW könnte den Rückruf gleich nutzen, um das Pickerl und die damit verbundenen Reparaturen in einem Aufwaschen zu erledigen und den freien Werkstätten und den Autofahrerclubs dieses Geschäft wegschnappen.

Dass VW aus dem Problem das für sich Beste machen will, ist aus Sicht des Konzerns völlig verständlich und legitim. Ebenso legitim und spannend ist, ob die Halter der manipulierten Fahrzeuge dabei mitspielen werden oder nicht.

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