VW Skandal: Kampf für Fairness

| 14.11.2015 | Verkehr

VW hat zugegeben, bei Stickoxiden (NOX) und beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) betrogen zu haben. Das Ausmaß der Manipulation ist noch offen. Bei Stickoxiden geht es um die völlige Wiederherstellung des vorgegaukelten Zustands und bei CO2 darum,  den Kunden die Mehrkosten beim Tanken abzugelten und ihnen Steuernachzahlungen zu ersparen. Konzentrieren wir uns zunächst auf das Thema NOX-Betrug.

In Österreich bekamen die NOX-Opfer bisher nur zu hören, dass es ab kommenden Jahr einen Rückrufaktion geben wird, bei der entweder die Software (bei zwei Drittel der Fahrzeuge) oder Bauteile (bei einem Drittel der Fahrzeuge) ausgetauscht werden. VW hat bisher nur angekündigt, die reinen Kosten dieser Rückrufaktion zu übernehmen, schweigt sich aber völlig darüber aus, wer die damit verbundenen Folgekosten übernimmt.

VW-NOX-Opfer müssen also selbst darum kämpfen,  wenn es um ein Ersatzfahrzeug während der Reparatur oder um Schadenersatz geht oder wenn das Fahrzeug danach eine schwächere Motorleistung aufweist, mehr Sprit verbraucht oder einen niedrigeren Wiederverkaufswert erzielt. Umso wichtiger ist es, bestehende Gewährleistungsrechte wahrzunehmen, Gewährleistungs-fristen nicht verfallen zu lassen bzw. eine Fristenverlängerung zu erwirken. Dringender denn je ist es, sich der Sammelaktion des VKI anzuschließen, wie dies bisher immerhin 45.000 Betroffene gemacht zu haben. (Link) Denn das, was medial an Kompensations-Ideen von VW  bisher durchgesickert ist, ist aus Sicht von VW Kunden recht unbefriedigend.

So stand im Fachinformationsmedium „Auto-Information“ Nr. 2296 (Seite 17) zu lesen, dass Audi in Österreich ab sofort „Loyalitätspakte“ anbietet. Wer sein manipuliertes Fahrzeug gegen einen neuen Audi eintauscht, soll für das neue Fahrzeug kostenlos eine Anschlussgarantie auf maximal 5 Jahre/100.000 km sowie einen Satz Winterkompletträder erhalten. Das wäre kein faires Angebot für alle betrogenen Kunden. Was, wenn jemand gar kein neues Fahrzeug von Audi haben will,  weil man es sich nicht leisten kann oder weil man genug hat von dieser Marke?

Letztlich legt es VW offensichtlich darauf an, den Betrugsfall in ein neues Geschäftsmodell um zu wandeln.  Dazu passt die Aussage von VW-Händler Stefan Hutschinski im Interview mit der Kronenzeitung (print-Ausgabe 14.11.2015, Wirtschafts-Magazin, siehe Foto), dass die VW Werkstätten den Rückruf komplett in den eigenen 260 VW-Werkstätten abwickeln will und sich VW jene Kunden von den freien Werkstätten zurückholen will, denen das Service bei den VW-Werkstätten zu teuer gewesen ist.

Wenn alle 363.400 betroffenen Fahrzeuge ausschließlich in VW Werkstätten umgebaut werden, geht viel kostbare Zeit verloren. Und die Umwelt bleibt auf der Strecke: denn die betroffenen Fahrzeuge produzieren in der Zwischenzeit viel mehr NOX als beabsichtigt. Gefragt wäre eine Lösung, in der auch die freien Werkstätten eingebunden bleiben und den VW-NOX-Opfern keine weitern Nachteile erwachsen.

 

 

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