Dieselgate: Rückruf

| 15.10.2015 | Verkehr

Nach Informationen des Verkehrsministers wird die Porsche Holding uns Betroffenen demnächst einmal Briefe schreiben. Mit der Rückholaktion selbst soll aber erst im Jänner 2016 begonnen werde, übrigens auch in Deutschland. Die Aktion kann sich bis September 2016 hinziehen.

Warum so lange?

Warum, frage ich mich, dauert das Ganze so lange? Warum soll ich mit meinem manipulierten Auto noch so lange weiterfahren? Zumal bei den  2 Liter Motoren nach Auskunft des deutschen Verkehrsministers ja nur die Software geändert werden soll, per Computer. Wer einmal zugeschaut hat, wie rasch mittels Computer Fehler beseitigt werden können, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Für meinen Tiguan mit einem 2 Liter Motor reicht hoffentlich ein Software-Update.  Bei den 1,6 Liter Motoren  muss darüberhinaus auch noch umgebaut werden.  Dass das nötige Bauteil erst im September nächstens Jahres zur Verfügung stehen soll, überrascht doch etwas, ist aber am ehesten noch einsichtig.

Ein weiterer Grund für mein Unverständnis ist der hohe Stickoxid-Wert, den ich (unfreiwillig) mit dem Tiguan emittiere. Laut Bericht der Salzburger Nachrichten (Printausgabe 15. Oktober 2015) hat die Österreichs Umweltbehörde schon Anfang dieses Jahres festgestellt, dass Euro 5 Fahrzeuge das Fünffache an Stickoxiden ausstoßen als auf dem Prüfstand. Mein Tiguan ist ein Euro 5 Fahrzeug. Er würde damit  600 mg pro Kilometer Stickoxid emittieren statt 120! (119,8 mg).

Was ist die rechtliche Basis in Österreich?

Da Deutschland im Falle VW für die Typisierung in ganz Europa zuständig ist, liefert die deutsche Rückrufaktion die inhaltliche Steilvorlage für Österreich. Doch auf welcher rechtlicher Basis? Die rechtliche Basis ist wichtig, damit die Betroffenen nicht weiter draufzahlen. Wer sein Auto tage- oder wochenlang in die Werkstätte geben muss, soll zumindest ein Ersatzauto bekommen. Rechtlich sicherzustellen ist auch, dass man auch sonst durch die Reparatur keine weiteren Nachteile hat. Wenn das Auto künftig weniger Abgase ausscheidet, könnte das die Motorleistung drosseln und Fahrkomfort sowie Wiederverkaufswert schmälern. Und: wie wirkt sich das alles auf den Verbrauch aus?

Die rechtliche Basis muss Verkehrsminister Alois Stöger in den kommenden Wochen erst klären. Denn Rückrufaktionen können in Österreich nach derzeitiger Gesetzeslage nur aus Sicherheitsgründen angeordnet werden und nicht wegen Betrugs oder Gesundheitsgefährdung. Für Rückrufe ist hierzulande auch der Konsumentenschutzminister zuständig, also das Sozialministerium.

Ansetzen wird Verkehrsminister Stöger wahrscheinlich bei der Typisierung oder Zulassung. Er wird aber sicherlich nicht  allen manipulierten Autos die Typisierung entziehen oder die Zulassung. Dann wären ich mit meinem Tiguan nicht nur manipuliert unterwegs, sondern auch noch illegal. Und bei einem Unfall würde keine Versicherung zahlen.

 

Was ist mit der Sammelklage von VKI?

Ziel der Sammelaktion des VKI ist es ja, Unterlagen und Beweise zu sammeln, mit der man eine Sammelklage untermauern kann. Es geht um Werbeunterlagen und Reklame, bei denen mit sauberen Abgaswerten geworben wurde. Trotz angekündigter Rückrufaktion hat es also durchaus Sinn, sich an der VKI Sammelaktion zu beteiligen (Link), die mittlerweile auf 19.000 Personen angewachsen ist.

 

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