Fakten und Fragen zu “Dieselgate”

| 26.09.2015 | Wirtschaft

Zu den Fakten: Es geht bei „Dieselgate“ nicht um das Treibhausgas CO2 und nicht um den Verbrauch von Diesel beim Fahren. Die NoVA, die ja komplett vom CO2 Verbrauch abhängt, spielt beim aktuellen VW-Skandal daher keine Rolle.

Es geht um Abgase. Genauer gesagt, um ein spezielles Abgas, das Stickoxid (NOX), das schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen hat. Dafür gibt es einen Grenzwert, der nicht überschritten werden darf und der generell überprüft wird, bevor ein neuer Autotyp erstmals verkauft werden darf (Typisierung). Bei diesem Prüfverfahren hat VW geschwindelt: der Harnstoff, der den Ausstoß von NOX senkt, wurde nur beim Prüftest in den Auspuff eingespritzt, nicht aber beim realen Fahren auf der Straße. Die NOX-Grenzwerte sind in Kalifornien viel strenger als bei uns in Europa. Die strafrechtlich wichtige Frage lautet daher, ob die 180 Milligramm pro Kilometer Stickoxid, die bei uns in Europa erlaubt waren, auch ohne diese Manipulation eingehalten worden wären. Wenn nicht, hätten die Käufer jedenfalls bessere rechtliche Karten gegen VW.

Für die Zukunft noch gravierender ist aber die Frage: Wo bitte waren die Behörden? Wie konnte es passieren, dass die offiziellen Prüfungsstellen in Europa und in den USA in großem Stil in die Irre geführt  werden konnten? Haben sie in der berühmten Pendeluhr geschlafen, bewusst weggeschaut oder waren die Trickser so raffiniert, dass man ihnen nicht auf die Schliche kommen konnte? In welcher Qualität laufen diese Zulassungsprüfungen ab, in Europa, aber auch bei uns in Österreich? Werden hier die vorgegebenen Firmenprüfergebnisse einfach nur übernommen oder wird tatsächlich getestet?

Für Haftungen nicht uninteressant sind die internen Vorgänge im VW Konzern. Was ist innerhalb des Konzerns passiert?  Hat das Management mörderischen Druck auf die Techniker ausgeübt? Haben alle involvierten Techniker diesen Betrug mitgemacht? Waren sie auch noch stolz auf ihre kriminelle Idee? Gab es tatsächlich niemanden im ganzen Groß-Konzern, der diese Machenschaften angeprangert und vor den fatalen Folgen gewarnt hätte?  Wo bleibt eigentlich das menschliche Gewissen?

Warum wurde betrogen? Sind die technischen Vorgaben in den USA tatsächlich so streng, dass die vielgepriesene deutsche Ingenieurskunst sie nicht bewältigen kann? Oder ist pure Profitgier der simple Grund?

Generell zu hinterfragen ist die gefährliche Tendenz in Konzernen und Unternehmungen, ihrer wirtschaftlichen Ziele (kurzfristige Gewinne und Marktanteile)  auf Biegen und Brechen zu erreichen. Schafft man es nicht, wird immer öfter nach Strich und Faden betrogen, gelogen und alle Kundeninteressen skrupellos geopfert. Warum, ist einfach erklärt: die fetten Bonuszahlungen an das Management sind schließlich an das Erreichen der Unternehmensziele gekoppelt.

Gehen die betrügerischen Machenschaften gründlich daneben (siehe General Motors, Toyota),  hat das Unternehmen den Schaden auszubaden, während die ohnehin bestens bezahlten Manager trotz allem mit Millionen-Abfertigungen gehen dürfen. Es ist allerhöchste Zeit,  diese Mechanismen abzustellen.

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