Villa Grimaldi – Ein Ort des Grauens

| 03.05.2015 | Reise

Diese Villa Grimaldi kommt in den Tourismusführern kaum vor. Selbst dem Lonley Planet ist sie nur ein paar mickrige Zeilen wert. Du musst ziemlich weit hinausfahren, fast bis zu den Bergen. Plötzlich liegt das unscheinbare Tor vor uns, in der Avenida Josè Arrieta. Der Ort des Grauens heißt jetzt „Parque por la Paz“, also Park für den Frieden.

Durch das kleine Tor treten wir ein in diese Gedenkstätte für mindestens 4.500 Menschen, die genau hier zwischen 1975 und 1988 von der Pinochet-Diktatur gefoltert wurden. Menschen, die Widerstand leisteten. Männer, Frauen, Studenten, die plötzlich wie vom Erdboden verschluckt schienen.

226 von ihnen wurden hier umgebracht. Ermordet. Ihre Namen sind in vier Tafeln aus Metall hinein geritzt und wegen der Verwitterung kaum mehr zu lesen. Vögel zwitschern. Ruhe hinter den Mauern. Viel Grün. Ungefähr einen Hektar groß ist das Grundstück mit dem ehemaligen Hotel, das die chilenische Geheimpolizei zu einer der schrecklichsten Folterstätte umfunktionierte.

Das Leid der Opfer senkt sich wie Blei auf die Schultern der wenigen Besucher. Du kannst ihre Marter irgendwie spüren. Und von ihrem qualvollen Schicksal hören – über den elektronischen Führer. In den Boden versenkt zeigen runde Inschriften, wo die Folterkammer stand und sich das Wachzimmer befand.

Plötzlich stehst du vor einem Rosengarten. Voll in Blüte. Mit betörendem Duft. Neben jeder Rose steht ein braunes Schild mit dem Namen eines Folteropfers. Überlebende haben hat der liebliche Geruch dieser Rosen geholfen, zu überleben. Er hat die Gefangenen daran erinnert, dass es außer entsetzlichen Qualen auch noch etwas anderes gibt im Leben. Etwas, wofür es sich lohnt, weiter zu leiden, zu dulden und zu kämpfen. Die Kraft der Rosen.

Unser chilenischer Guide ist zum ersten Mal hier. Er ist genauso verstummt wie wir. Wir gehen vorbei am leeren Pool. An der Mauer daneben sind Gesichter junger Menschen abgebildet, die hier qualvoll sterben mussten.

Später im Auto wird uns Fernando erzählen, wie er als junger Mann unter der Diktatur aufgewachsen und schließlich aus Chile geflohen ist. In der weiten Welt hat er ein passables Englisch gelernt. So kann er heute als Fremdenführer gut leben und es auf bescheidenen Wohlstand bringen.

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