Zauberinsel Chiloè

| 19.04.2015 | Reise

Wir sind dem Zauber dieser kleinen Insel im Süden von Chile hoffnungslos erlegen. Allerdings nicht auf den ersten Blick.  Denn wer als Tourist auf Chiloé landet, sucht zunächst vergeblich nach ihrem spezifischen Reiz. Okay, man kann einige Robben bei der Überfahrt mit der Fähre beobachten. Okay, die Landschaft ist herzerfrischend grün, in allen Schattierungen – links und rechts neben der Hauptstraße.

Der Zauber der Insel erschließt sich erst langsam, als wir kurz vor Castro abbiegen und auf nicht asphaltierten, holprigen Wegen zum Hotel gelangen.  Natur pur, wohin das Auge blickt. Rote Erde. Wilde Pferde. Kleine Bauernhäuser mit Blumen und Bäumen. Ruhe.

Das Wohlbefinden steigt beim Besuch von Castro, dem Hauptort im Herzen der Insel. Die Marktfrauen mit marillengroßen Knoblauchzehen sind von Natur aus nett und genießen das gemeinsame Fotoshooting. Hier kriegst du alles, selbstgestrickte Socken aus Schafswolle, getrockneten Seetang und fangfrische Fische. Einige Geschäfte haben zugesperrt, obwohl es Mitte der Woche ist. Die Leute sind (noch) nicht so geldgierig und scheinen ihren relativen Wohlstand zu genießen, der ihnen der Tourismus beschert hat.

Die Iglesia San Francisco,  ganz in lachsrosa und dottergelb ist nicht zu übersehen.  Innen aus lackiertem Holz gebaut, wirkt sie behaglich und spirituell. Die Figuren der Heiligen St. Miachel und  Antonius von Padova stechen besonders hervor.

Draußen, im gleißenden Sonnenlicht bieten sich die farbenfrohen Pfahlbauten als tolle Fotomotive an.  Bei Ebbe und Flut. Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Dass sie praktisch nur mehr als Tourismus-Herberge dienen, spielt keine Rolle.

Der klitzekleine Marktort Dalcahue trifft ins Herz. Der Name stammt von den Booten (Dalcas), die von den Ureinwohnern gebaut wurden. Gleich neben den Fischerbooten  zieht die Cocinera Dalcahue alle hungrigen und nicht-hungrigen Seelen in ihren Bann. Acht verschiedene Essensstände sind unter einem Dach zusammengepfercht. Jeder von ihnen ist mit dem Vornamen der Köchin markiert.  Bei Dona Lula, der Nummer 8, probieren wir die üppigen Micao (Kartoffelbrote) und den noch üppigeren Muschel-Fleisch-Eintopf „Curanto“ – für europäische Mägen eine ziemliche Herausforderung!

Wer die Seele dieser Insel spüren will, muss aber noch tiefer eindringen. Und zum Beispiel über den Lago Huillinco nach Cucao fahren und dort das Hinterland erwandern.

Hier triffst du Hirten auf Pferden, die das frisch gestochene Schaf am Sattel transportieren. Hier siehst du kitschig-liebliche Landschaften wie in Cornwall. Oder urige Almwiesen vor blitzblauem Meer mit Felsenklippen mit Seelöwenfamilien. Wilde Vögel, die dich neugierig verfolgen. Einen kauzigen Fischer, der seine Fossilien partout nicht verkaufen will, dafür aber stolz vor einem vergilbten Foto mit Pablo Neruda und Salvador Allende posiert.

Hier, mitten den dichten Wäldern mit feuchten, bemoosten Baumstämmen, dichtem Flechtengestrüpp und mystischen Schimmer kannst du den Zauber der Insel so richtig spüren, samt all den gruseligen Geschichten um Hexen, Trolle und Geisterschiffe.

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