Der Klang der Osterinsel

| 19.03.2016 | Reise

Tanzshows gibt’s einige hier in Hanga Roa, in der winzigen Hauptstadt, auf der sich die meisten der 6.700 Insulaner und die Touristen zusammendrängen. Die Gefahr ist groß, in einer der üblichen Aufführungen mit einem Mix aus polynesischen Tänzen zu landen, die man ebenso gut in Hawaii oder Tahiti bewundern kann. Mit ein wenig Glück und nach einigem Fragen, finden wir eine einheimische Show.  Ein Event mit echten „ Rapa Nui“, mit heißen Rhythmen, dampfenden Tänzern, kehligen Ur-Lauten und einer unverhohlen zur Schau gestellten Sexualität.

„Rapa Nui“ heißt das Zauberwort auch in der Kirche. Nur wer sich zur Messe der Einheimischen in die Kirche von Hanga Roa schleppt – Sonntags  um 9.00 Uhr in der Früh! – bekommt die geballte Stimmgewalt der frommen Insulaner zu hören. Alles singt, alles schreit, das ganze Gotteshaus vibriert. Bis ins Eingeweide dringen diese gläubigen Stimmen, die ganz tief aus der Seele zu kommen scheinen.  Die Leute hier brauchen keine Vorsänger mit Mikrofon und schon gar keinen Chor, der von oben herab den Ton angibt. Nein, hier sind alle Stimmen gleich. Es klingt, als ob sich die Menschen auf dieser Nuss-Schale im Pazific  Mut ansingen, um den elementaren Gefahren ihres Daseins zu trotzen.

In dieser Kirche haben alle Platz. Die weißgekleidete Dame mit weit krempigem Hut. Der alte Fischer mit seinen schwieligen Händen. Die andächtige Mutter, die während der Messe ihr Baby füttert. Die strenge Domina, die uns Fremden rigoros – aber erfolglos – das Fotografieren und Filmen verbieten will. Der wie aus einem Kitschfilm entrissene Pfarrer mit durchdringenden Blicken und beschwörenden Tönen. Die fünf jungen Mädchen in knallengen Hotpants und durchschimmernden Bikinis, die sich in wie in einer Galerie in einer Kirchenbank auffädeln. Dass ein kleiner Junge auf allen Vieren seine Kreise mitten durch das Kirchenschiff zieht, stört keinen.

Auf dem Weg zur den kleinen vorgelagerten Inselchen (motu) vor der Kultstätte Orongo im Glasboden-Boot sehen wir zwar wenig Fische, dafür ist der Sprung ins Meer überraschend frisch. Am Rückweg von Motu Nui, Motu Iti Und Motu Kau Kau  ziehen wir vor der bemalten Felsenhöhle des berühmten Vogelmannes vorbei. Der Vogelmann war der, dem es gelang, das erste Ei unbeschädigt von der kleinen Insel zu bergen. Dafür wurde er ein Jahr lang zum obersten Chef aller Clans bestimmt, der von allen getrennt in diese Höhle hausen musste.  Während wir an den einsamen Regenten  denken, reisst uns der mitfahrende Rapa Nui mit ungestümen Seemannslieder in die Gegenwart zurück

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